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Валентин Красногоров – Heute oder nie! (страница 20)

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SIE: Und wenn ich mit Ihnen eine Nacht ohne Geld verbringe, werde ich ordentlich sein?

ER: Ich hab´ doch gesagt, mach mich nicht an!

SIE: Mit einem Wort, Sie lehnen mich ab.

ER: Ja.

SIE: Warum?

ER: Ich fürchte, dass ich nach dieser feurigen Nacht zum Arzt muss, und dann wird sie wirklich unvergesslich.

SIE: Fürchten Sie sich tatsächlich davor, oder wollten Sie mich beleidigen?

ER: Ich fürchte mich tatsächlich davor.

SIE: Aber ich dachte doch, dass Sie vor der Verführung die Ordentlichkeit bewahrt.

ER: Und Ordentlichkeit auch.

SIE: Sehr löblich. Wie hat Horazius noch geschrieben, „Fliehe vor aller Lust, der Preis der Lust ist Leiden“.

ER: (Kann seine Verwunderung nicht verbergen.) Zum ersten Mal treffe ich eine Frau, vom Leichten Gewerbe, die Horazius zitiert.

SIE: Treffen sie sich denn oft mit solchen Damen?

ER: Das geht nur mich an.

SIE: Haben Sie denn viele Ingenieure getroffen, die Horazius zitierten? Oder Ärzte?

ER: Ehrlich gesagt, nicht viele. Überhaupt keine. Woher haben Sie diesen Horizont?

SIE: Das hab´ ich bei den Kunden aufgefangen. Unter denen gibt es durchaus auch intelligente. (Betont.) Manchmal auch mit akademischen Grad.

ER: (Wirft ihr einen prüfenden Blick zu.) Wissen Sie irgendetwas über mich?

SIE: Kann sein.

ER: Ich sehe, bei Ihnen muss man auf der Hut sein. Und um Worte sind Sie auch nicht verlegen.

SIE: Verlegenheit ist meine Sache nicht.

ER: (Sieht sie wieder aufmerksam an.) Ich kann Sie einfach nicht durchschauen.

SIE: Ich denke, das lohnt sich nicht. Sie würden es bedauern.

ER: Sie gleichen keiner gewöhnlichen Prostituierten.

SIE: Ich sehe, Sie haben eine reiche Erfahrung. Ungeachtet Ihrer Kälte, Standhaftigkeit und des Widerwillens wissen Sie von irgendwoher, wem Prostituierte gleichen.

ER: Aus dem Kino.

SIE: Seien Sie nicht bescheiden! Sagen Sie lieber, wie Nachtschwärmer aussehen und sich verhalten.

ER: Ich weiß nicht… Wahrscheinlich hemmungsloser.

SIE: Sie wollten wohl sagen, „aufreizender“. Sagen wir, so. (Schlägt die Beine übereinander, macht eine Schulter frei, streift den Saum des Kleids bis zur äußersten Grenze und steckt sich eine „virtuelle“ Zigarette an.) Ähnlich?

ER: (Unwillkürlich lächelnd/schmunzelnd.) Wahrscheinlich.

SIE: Gefällt Ihnen das?

ER: Ja und nein. Es stößt ab… aber zieht auch an.

SIE: Danke für das offenherzige Bekenntnis.

ER: (Gießt ihr aus einer Karaffe ein.) Etwas Wodka?

SIE: Was denn, trinken denn solche Mädchen in den Filmen immer Wodka? Ich geh´ selten ins Kino, aber ich dachte, dass deren eigentliche Beschäftigung eine ganz andere ist.

ER: Wenn Sie nicht wollen, trinken Sie nicht! Ehrlich gesagt, ich mag ihn auch nicht.

SIE: Also, und wie stehen Sie zu den Frauen des Freien Berufs.

ER: (Zuckt mit den Schultern.) Ich weiß nicht. Wenn sie schon existieren, werden sie wohl von jemandem gebraucht.

SIE: Aber nicht von Ihnen.

ER: Nicht von mir.

SIE: Womit haben die Sie denn so verärgert?

ER: Damit, dass sie sich allen und jedem hingeben.

SIE: Warum sollten sie denn nicht demjenigen Vergnügen bereiten, der daran Bedarf hat? Ich würde sagen, das ist sogar unsere weibliche Aufgabe. (Mit gespielter Feierlichkeit.) Schon Platon hat bestätigt, dass wir nicht nur für uns selbst leben sollten, sondern teilweise auch der Öffentlichkeit gehören, teilweise den Freunden.

ER: Sie sind aber gut beschlagen.

SIE: Das Leben ist der beste Schmied. Es schmiedet manchmal so hart, dass dir beim Ritt der Kopf dröhnt.

ER: Was immer du auch sagst, sich zu verkaufen ist unmoralisch.

SIE: Irgendwie verkaufen wir alle unsere Zeit, unsere Dienste, unsere Arbeit. Ist es Ihrer Meinung nach moralischer, wenn eine Frau am Fließband steht, sich das Kreuz auf dem Bau verbiegt oder Erde umgräbt? Und außerdem, die, die Sie so angreifen, faulenzen nicht, sondern arbeiten. In Amerika nennt man solche Damen „sexual workers”, sexuelle Arbeiter, und sie sind in einer Gewerkschaft organisiert. In Holland nennt man sie poetischer „Froelichsmädchen”, “ Freudenmädchen”. Bei uns dagegen verleiht man ihnen wer weiß was für welche Namen, von Schimpfworten ganz abgesehen.

ER: Verdienen sie denn nicht solche Bezeichnungen?

SIE: Welche verdienen dann die Männer, die deren Dienste in Anspruch nehmen?

ER: Nun, es gibt einen Unterschied.

SIE: Versteht sich, es gibt einen. Öffentliche Frauen, die machen das wenigstens wegen des Verdienstes. Aber Männer aus Wollust und Perversität.

ER: Ich hoffe, Sie meinen nicht mich?

SIE: Nein, nicht Sie. Natürlich nicht Sie. Sie sind tadellos. (Erhebt sich und nimmt ihre Tasche.) Ich werde Ihnen wohl nicht weiter mit meiner Gesellschaft lästig werden. Ich habe Sie ein bisschen gereizt, und damit Schluss. Ihre Aufzeichnungen sehnen sich nach Ihnen. Alles Gute.

ER: Warten Sie… Wohin gehen sie?

SIE: Ich hab´ Sie schon lange genug angehört.

ER: Ich vertreibe Sie eigentlich gar nicht.

SIE: Und wer hat den Punkt auf das I gesetzt und Klarheit geschafft?

ER: Nun, ich war ein bisschen schroff.

SIE: Sind Sie wirklich nicht böse?

ER: Nein. Weshalb? Und mir war zugegeben ziemlich einsam. Draußen ist eine abscheuliche Herbstnacht, Kälte und Wind…

SIE: Dann gehen Sie schlafen!

ER: Zu mir ins Zimmer? Dort herrscht tödliche Langeweile. Und ich schlaf´ trotzdem nicht ein.

SIE: Quält Schlaflosigkeit?

ER: (Nickt.) Eigentlich, ja. Chronische.

SIE: Nun gut, dann werde ich noch ein bisschen bei Ihnen bleiben.