Валентин Красногоров – Heute oder nie! (страница 22)
ER: Nein, ernsthaft.
SIE: Ernsthaft – im Gesicht. Und noch auf dem Schildchen, das an Ihrem Jackett hängt. „Vierte Internationale Konferenz für biologische Psychologie”. Sie sind doch hierher zur Konferenz gekommen?
ER: Ja, richtig.
SIE: Sind dabei mit einem Vortrag aufgetreten?
ER: Aufgetreten.
SIE: Nun also, was spricht denn Ihre biologische Psychologie? Will der Mann Abwechslung oder nicht?
ER:
SIE: Danke, Sie sind sehr freundlich.
ER: Ich sag´ einfach, wie es ist.
SIE: Und wenn Sie sagen, wie es ist, dann geben Sie auch zu, dass Ihre Ehe nicht zu glücklich ist.
ER: Wie kommst du denn darauf?
SIE: Ich hör´s am Ton, in dem Sie darüber reden, oder besser, nicht reden wollen. Außerdem sind Ehen selten glücklich. Also ist Raten nicht schwer.
ER:
SIE: Ich hab´ in s Schwarze getroffen, deshalb empören Sie sich.
ER: Du irrst dich.
SIE: Ich irre mich? Da bin ich aber froh für Sie. Nun, und wie leben Sie so mit Ihrer „Ehefrau ist Ehefrau“?
ER: Wie alle.
SIE: Wie alle? Klar.
ER: Was ist dir klar?
SIE: „Wie alle“.
„Meine Kameraden lebten mit Schwiegermüttern
Und Ehefrauen, diesen Schwiegermüttern ähnlich,
Zu dicken, zu hageren,
Müden, gewöhnlichen, wie Regen“…
ER:
SIE:
ER: Heilig oder nicht heilig, aber dich geht es nichts an.
SIE: Warum sind Sie denn beleidigt? Ich habe bloß ein Gedicht zitiert. Und nicht mal mein eigenes.
ER: Schreibst du auch eigene?
SIE: Kann sein.
ER:
SIE: Ihrer Meinung nach können nur Ehefrauen romantisch-poetisch sein? Das wusste ich nicht.
ER: Weißt du, was? Du redest zu viel. Schweig lieber und trink!
SIE: Ich will nicht. Ich mag keinen Wodka.
ER: Hast du etwa mit Champagner gerechnet?
SIE:
SIE: Ich erlaube Ihnen nicht, Platz zu nehmen.
ER:
SIE: Frei.
ER: Darf ich mich setzen.
SIE: Bitte.
ER: Ich danke Ihnen.
SIE: Von weitem schienen Sie mir ein intelligenter Mensch zu sein. Also entschloss ich mich wieder auf diese Entfernung zurückzugehen. Aber ach, die Illusion hat sich nicht wiederholt.
ER: Ich gebe zu, ich war wirklich ein bisschen grob zu Ihnen.
SIE: „Ein bisschen“?
ER: Sehr. Ich bedaure.
SIE: Freut mich, das zu hören.
ER: Wer immer Sie auch sind, ich hätte mich höflich benehmen sollen. Sie hatten Recht, mich zurechtzuweisen. Ich habe Sie nicht sofort geschätzt und mich zu Ihnen ziemlich nachlässig und herablassend verhalten.
SIE: Und ich war ziemlich direkt, was ich auch bedaure. Angenehm zu sehen, dass Sie sich jetzt wie ein richtiger Mann benehmen. Gehen sie davon aus, dass der Konflikt beigelegt ist.
ER: Ich war verpflichtet, mich zu entschuldigen, aber das ändert nichts am Charakter der Sache. Ihr Beruf weckt in mir nach wie vor keine Begeisterung, und an Ihren Diensten habe ich keinen Bedarf.
SIE: Nun gut, jetzt, nachdem wir uns beide entschuldigt haben, können Sie zu Ihrem Abendessen und Ihrer üblichen Arbeit zurückkehren.
ER:
SIE: Und worin ist das besser, als meines?
ER: Und worin schlechter?
SIE: Sehen Sie, wenn sich eine Frau zu einem Mann setzt, dann wird das als unmoralisch empfunden, was Sie mir auch mit der Ihnen eigenen Feinfühligkeit zu verstehen gaben. Und wenn sich ein Mann an den Tisch einer Frau setzt und beginnt, sie anzumachen, dann wird das, warum auch immer, als völlig normal empfunden und wirft keinerlei Schatten auf einen von beiden. Deshalb bleibe ich wohl an meinem Tischchen. Hier fühle ich mich wenigstens als Hausherrin. Und niemand kann sagen, ich würde mich irgendjemandem aufdrängen.
ER: Anders gesagt, Sie laden mich ein, mich hierher zu setzen?
SIE: Das habe ich nicht gesagt. Aber wenn Sie um meine Erlaubnis bitten, dann sage ich nicht ab.
ER: Verstehe. Also, erlauben Sie?
SIE: Ich gebe Ihnen eine Bewährungsfrist.
ER: Danke.
SIE: Nun, was schweigen Sie denn?
ER: Und was sollte ich sagen?
SIE: Da Sie sich schon zu mir gesetzt haben ist die Reihe an Ihnen, mich zu unterhalten
ER: Ihnen gelingt das besser.