Валентин Красногоров – Heute oder nie! (страница 18)
DOKTOR: Ich begrüße Sie, mein Lieber. Wirklich, Sie haben mich den ganzen Tag an der Nase herum geführt, und dafür sollte man Ihnen den Kopf abreißen, aber, wie man so sagt, die Sieger verurteilt man nicht. Ihrer Schwester zuliebe verzeihe ich Ihnen.
JOHANNA:
MARINA: Endlich machen wir ein für alle Mal Schluss mit diesem Wahnsinn. Gib ihm
ANTON:
MARINA: Die Millionen, die du gewonnen hast.
ANTON: Welche Millionen?
MARINA: Die du mitgebracht hast. Wo sind sie? In dem Köfferchen?
ANTON: Doch, ich habe gewonnen! Ich habe zwei Millionen gewonnen. Stell dir vor, zwei Millionen!
MARINA:
ANTON: Verstehst du, ich habe sie in den Koffer gelegt, das Taxi gerufen und dich angerufen. Und dann dachte ich: Wenn ich heute schon so ein Glück habe, dann setze ich nochmal auf das Pferd. Um nicht nur die Schulden zu tilgen, sondern auch euch abzusichern.
JOHANNA: Und alles verspielt?
ANTON: Nein, nicht alles.
JOHANNA:
ANTON: Nicht alles, sondern zweimal so viel. Versteht ihr, nachdem ich alles verspielt hatte, habe ich mich entschlossen, alles auf vabanque zu setzen. Nun, und…
VIZEPRÄSIDENT: Wie groß ist denn jetzt die Schuldensumme?
ANTON:
JOHANNA: Wenn du nur nicht zurückgekommen wärst.
ANTON: Aber ich weiß einen Ausweg!
JOHANNA:
ANTON: Gebt mir wenigstens noch tausend, und ich gewinne alles zurück! Ich schwöre es euch!
DOKTOR: Sagen Sie, Anton, schämen Sie sich nicht, so ein Leben zu führen?
ANTON: Und welches Leben wollten Sie, das ich führe? Ein langweiliges, graues Dasein eines kleinen Angestellten? Ein Leben, wo heute, wie gestern ist und morgen wie heute? Jeden Groschen zu zählen und jeden Cent zu sparen? Sich zu langweilen und das Wochenende zu erwarten, den Urlaub, die Rente? Ist es nicht besser zu riskieren, alles was du hast auf ein Pferd zu setzen, vabanque zu spielen?
DOKTOR: Und wenn du verspielst? Gehst du ins Gefängnis?
ANTON: Und wenn schon? Womit ist das Gefängnis schlechter, als dieses graue, tägliche erniedrigende Leben, ein Leben ohne Risiko, ohne Funken, ohne Schärfe, ohne Pfeffer?
DOKTOR:
MARINA:
DOKTOR: Aber es gibt doch trotzdem keinen anderen Ausweg. Und vielleicht klappt´s?
ANTON: Ich komm´ bald zurück, und alles wird gut! Ihr werdet sehen! Ich gewinne! Ich gewinne auf jeden Fall!
ENDE
Leichte Bekanntschaft
Легкое знакомство
Theaterstück in zwei Akten
Aus dem Russischen von Albrecht D. Holzapfel
Inhaltsangabe
Ein Mann und eine Frau treffen spät abends im Restaurant eines Hotels aufeinander und lernen sich kennen, wobei die Initiative in diesem Bekanntwerden die Frau ergreift. Sehr schwer zu verstehen, wer diese seltsame Unbekannte ist: Eine Nachtschwärmerin oder eine elegante Glücksritterin. Der Mann kann nicht bestimmen, ob sie ihm gefällt, ob sie mit ihm spielt, oder einfach verdienen will. Das mündliche Duell dieser Figuren spiegelt ihre gegenseitige Anziehung und Abstoßung wider, ihre Einsamkeit und den Versuch, sie zu überwinden, ihre Sehnsucht nach Liebe und die Angst davor.
Zwei über dem Abgrund
Aus dem Vorwort des Regisseurs Leonìd Cheìfez zur Veröffentlichung des Stücks in der Zeitschrift „Zeitgenössische Dramaturgie“.
Ich habe das Lesen diese Stücks lange vor mir hergeschoben. Ich wollte es „mit nüchternem Kopf“ lesen. Es klappte nicht. Dann entschied ich mich für die einfachste Variante: Ich lese den Anfang und dann stückweise und nach Möglichkeit. Ich begann zu lesen. Der Funke sprang über. Ich musste eine Pause machen. Aber ich wollte noch ein Stückchen lesen… Und dann las ich alles „in einem Atemzug“ durch.
Für mich ist das ein Wunder. Vielmehr ein seltener Fall. Ich habe schon lange kein Stück mehr auf einmal bewältigt. Ich war wie berauscht. Ich unterrichte im Institut, probe im Theater… Und dann hat Valentin Krasnogorov so ein Stück geschrieben. Man kann sagen, eine meisterliche Arbeit. Blendend aus handwerklicher Sicht. Auch zu heutigen Zeiten eine seltene Sache. Wort für Wort „ins Schwarze“. Wo gibt es jetzt noch so eine Dramaturgie? Halloooo!?
Ich wiederhole und bestehe darauf: Das Stück ist blendend gemacht… Hinter der meisterhaften Ausführung der Dialoge schlägt der Puls heißen Bluts.
Handelnde Personen:
Er
Sie
Immer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen
und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen
und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die anderen
enden: immer wieder gehn wir zu zweien hinaus
unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder
zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.
Erster Akt
SIE: Entschuldigen Sie, ist hier frei?
SIE: Ich frage, ist hier frei?
ER: Ja, frei.
SIE: Kann ich mich auf diesen Stuhl setzen?
ER: Ja, bitte.
SIE: Entschuldigen Sie, haben Sie Streichhölzer?