Валентин Красногоров – Heute oder nie! (страница 16)
DOKTOR:
MARINA: Wie Sie sehen.
DOKTOR: Ich verstehe gar nichts.
MARINA: Bald werden wir alles erklären. Lassen Sie uns nur zuerst alleine miteinander reden. Ich werde Sie rufen.
JOHANNA: Was ist passiert?
MARINA: Alles ist aufgeflogen. Die Bank fordert Geld.
JOHANNA:
MARINA: Irgendwann musste das passieren.
JOHANNA: Und trotzdem ist es so unerwartet. Und so schrecklich.
MARINA: Du meinst die Sache mit dem Doktor?
JOHANNA: Ja. Heute noch, gleich jetzt müssen wir ihn bis zum Ende bringen.
MARINA: Ich will nicht.
JOHANNA: Warum?
MARINA: Überleg selbst, welche verhassten Rollen wir spielen. Wirst du dich denn danach noch selber achten können?
JOHANNA: Lieber sich selbst nicht achten in Freiheit, als sich achten im Gefängnis.
MARINA: Wir verhalten uns unwürdig.
JOHANNA: Wir kämpfen nur für uns selbst.
MARINA: Und vernichten ihn dabei.
JOHANNA: Ich verstehe nicht – hast du dich etwa in den Doktor verliebt?
MARINA: Und wenn es so wäre, was dann?
JOHANNA: Na das, dass sich Frauen in einem bestimmten Alter eben nicht mehr verlieben.
MARINA: So ein Alter gibt es für Frauen nicht.
JOHANNA: Verlier den Verstand nicht. Wir haben trotzdem keinen anderen Ausweg.
MARINA: Es gibt einen Ausweg: Alles gestehen.
JOHANNA: Und unser Leben zerstören.
MARINA: Keine Sorge, ich nehm´ alles auf mich.
JOHANNA: Du hältst das für Heldentum, aber es ist Dummheit.
MARINA: Das ist Berechnung.
JOHANNA:
MARINA: Na, na, wer wird denn gleich?
JOHANNA: Ruf ihn, wenn du willst.
MARINA:
MARINA: Jetzt erklären wir Ihnen alles. Sache ist die, dass…
JOHANNA: Gut.
DOKTOR: Ja.
JOHANNA: Beginnen wir damit, wer wer ist. Ich bin die Frau von Anton, er ist mein Mann, Marina ist seine Schwester und er ihr Bruder. Klar?
DOKTOR:
JOHANNA: Warten Sie. Ihn braucht man überhaupt nicht zu heilen, denn er ist absolut gesund.
DOKTOR: Gestatten Sie, aber sein Gedächtnisverlust…
MARINA: Simulation, alles nur gespielt. Er hat ein hervorragendes Gedächtnis. Nicht von ungefähr gilt er als der beste Kartenspieler in der Stadt.
DOKTOR: Warum haben Sie denn dann…
JOHANNA:
DOKTOR: Entschuldigen Sie.
JOHANNA: Jetzt hören Sie. Vor zwei Jahren hat Anton im Casino eine erhebliche Summe Geld verspielt. Er fleht Marina an, ihm die Summe zu besorgen und verspricht, sie schnell zurückzugeben. Andernfalls, sagte er, würde man ihn erschießen. Marina besorgt ihm über die Bank Geld, und ich habe sie leider nicht von diesem Schritt abgebracht. Ich hatte Angst um den Mann und die Kinder.
DOKTOR: Und was war dann weiter?
JOHANNA: Weiter hat Anton, anstatt die Summe zurückzugeben, auch dieses Geld verspielt. Die Schulden verdoppelten sich. Er rennt wieder zur Schwester und fleht sie an, ihn zu retten. Marina liebt den Bruder bis zum Gedächtnisverlust und gibt nach. Und so versanken wir langsam aber sicher in einem Loch, aus dem wir nicht mehr herauskommen. Sie stellen sich nicht vor, wie schwer das ist: Zu wissen, dass der Mann ein Spieler ist, dass er auf der schiefen Bahn ist und die ganze Familie mit sich zieht, ihn zu lieben und retten zu wollen und nicht in der Lage zu sein, irgendetwas zu ändern…
DOKTOR: So… Aber was habe ich mit all dem zu tun?
JOHANNA:
DOKTOR: Und worin bestand die Idee?
JOHANNA: Wir begriffen, dass man uns dicht auf den Fersen ist und aufdecken wird, und in mir reifte der Plan, schnellstens dafür zu sorgen, dass Anton für unzurechnungsfähig erklärt wird. Dann könnte er Gericht und Urteil überstehen. Aber dazu brauchte man die Bescheinigung eines kompetenten und ordentlichen Arztes. So eines, wie Sie.
DOKTOR: Ach, so liegt die Sache…
JOHANNA: Wir begriffen, dass auf gewöhnlichem Weg von Ihnen eine Bescheinigung zusammen mit der Krankengeschichte zu bekommen unmöglich ist.
DOKTOR: Richtig.
JOHANNA: Und so habe ich mir ausgedacht, einen massierten Angriff gegen Sie zu starten, um Sie durcheinanderzubringen, in völlige Verwirrung, um auf diese Weise zu bekommen, was wir brauchten. Wir studierten die Symptome der Krankheit aus einem Fachbuch und haben Ihnen zu dritt dieses Spektakel vorgespielt.
DOKTOR: Was weiter?
JOHANNA: Nichts. Aus.
DOKTOR: Marina, wollten Sie mir das gestehen?
MARINA:
JOHANNA: Jetzt können Sie uns hinaus werfen. Aber wir werden auch selbst gehen. Wir bitten nicht um Verzeihung – wir verdienen sie nicht.
DOKTOR: Warten Sie.
JOHANNA: Womit?
DOKTOR:
JOHANNA: Ja, frei. Wenn man nicht berücksichtigt, dass man sie für etwa acht Jahre hinter Gitter bringt.
DOKTOR: