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Kh Beyer – Joana - deutsch (страница 4)

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Gesagt getan. Wir waren uns sofort einig. Jürgen, der Jungbauer, wurde langsam etwas gelöster. Damit ist ja schon mal der Hausstand gegründet. Herbert wollte gleich ein Bier probieren. Ein Fassbier. Brigitte wollte einen Kaffee. Den hat Joana für sie gekocht. Unweit der Gaststätte gab es eine Bäckerei. Der Bäcker war ein Mal mein Gast. Seine zwei Kinder waren bei mir fast Stammgäste. Sie gehörten der gut organisierten Jugendgruppe des Ortes an. Ich renne schnell hin, um uns ein paar frische Windbeutel zu holen. Windbeutel waren in der DDR äußerst beliebt. Die Bäckerin bietet mir noch ein paar Liebesknochen an, die sie heute auch frisch gemacht hatten. Liebesknochen war die Bezeichnung für einen mit Sahne gefüllten Eclair. Die Liebesknochen wurden mit reichlich Schokoladenüberzug versehen und waren vergleichbar mit einer Portion Stracciatella. In dem Fall, durften wir die Verpackung aber mit essen.

Unser Kaffeetrinken ist damit schon mal gerettet und ich habe meinen zukünftigen Schwiegereltern sicher ein gutes Bild abgeliefert.

Nach dem Kaffeetrinken macht Herbert einen Rundgang durch meine Gaststätte. Er bewunderte das Billard.

„Spielen mer ne Runde?“, hab ich ihn gefragt.

„Das kann ich nicht“, antwortet mir Herbert. Herbert war ein leidenschaftlicher Skatspieler. Das hat sicher mit seinem Beruf zu tun. Herbert ist Brigadier in der Straßenbaufirma. Bei schlecht Wetter haben die eher geknobelt oder Skat gespielt. Billards gab es nur in wenigen Gaststätten.

Gebäck wollte er keins. Herbert ist zuckerkrank. Schon in den kommenden Minuten durfte ich miterleben, wie er sich spritzte.

„Wie oft musst Du Dich spritzen am Tag?“

„Ein bis zwei Mal. Kommt darauf an, was ich esse und trinke.“

Andrea die Bäuerin kommt herein.

„Oh. Das sieht recht gut aus hier. Hast du frisch tapeziert?“

„Ja. Gefällt‘ s Dir?“

„Das ist schön! Willst Du oben die Wohnung sehen?“

„Gerne.“

Wir gehen im Haus zur ersten Etage hinauf und sie schließt uns die Wohnung auf.

„Ich räume aus, was Du nicht brauchst.“

„Ich brauche eigentlich nur ein Zimmer und ein Badezimmer.“

Sie zeigt uns das Badezimmer. Der Badeofen ist elektrisch. Der geht auch als Durchlauferhitzer.

„Im Grunde reicht das. Den Rest haben wir Unten.“

„Übermorgen ist das fertig ausgeräumt.“

„Danke. Wollt Ihr die Miete offiziell oder schwarz?“

„Am liebsten offiziell. Das Andere gibt Probleme. Die wollen wir nicht. Gib uns das mit der Gaststättenmiete.“

"Gut! Das kann ich dann absetzen."

Schön, dass wir uns so schnell einig sind. Das wäre sozusagen, unser erstes gemeinsames Nest. Joana freut sich darüber.

Eigentlich wäre es jetzt die Zeit, mein Motorrad mit hier her zu nehmen. Das erleichtert mir den Einkauf. Joana ist begeistert. Gelegentlich können wir so auch auf den Automarkt fahren und schauen, ob für uns ein Auto da steht. Ein gebrauchtes. Am besten, ein Kombi.

Nach der Besichtigung fahren wir wieder nach Hause zu Joana. Ich bekomme einen Platz mit ihr zusammen im Kinderzimmer. Der wurde frei, als ihre Schwestern in die BRD umsiedelten. Sie sind mit ihren Männern ausgewandert.

In der DDR war das scheinbar nicht einfach. Funktioniert hat es aber trotzdem, wie wir sehen durften. Und sie haben das sogar lebend geschafft. Und das, ohne arbeitslos zu werden oder gar in Not leben zu müssen. Ausreisewillige wurden in der DDR von ihren Kollegen eher etwas heimlich belächelt. Von ihren Freunden hingegen, wurden sie bewundert. Witzigerweise sind jene, von denen wir dachten, sie würden sicher gehen wollen, geblieben.

Unseren ersten Arbeitstag verbringen wir zusammen. Joana will sich bei mir als Gaststättenhilfe anmelden und bei sich auf Arbeit, kündigen. In der DDR gab es dafür keine Fristen. Auf der neuen Arbeitsstelle, konnte der Betreffende, sofort neu anfangen. Ich weiß jetzt nicht mehr wie das hieß. Ich schätze, wir haben einen Aufhebungsvertrag gemacht. In aller Regel wurden beliebte Mitglieder eines Kollektives, mit einem kleinen Fest verabschiedet. Das wurde von den Kollegen organisiert. Wir feiern das nachträglich bei uns in der Gaststätte, die wir auf die Art auch gleich den Kollegen vorstellen.

Als Gastwirt war ich natürlich selbstständig. Uns blieb also nicht erspart, die Anmeldung selbst durchzuführen. Und schon da zeigte Joana ihre besondere Fähigkeit, mit Beamten umgehen zu können. Schon in der DDR war mir das ein Graus. Obwohl mir dort Beamte, jede erdenkliche Hilfe gewährten. Irgendwie bin ich zu einer Art Eigenbrötler erzogen worden von meinen Eltern. Vielleicht komme ich auch zu sehr nach meinem Vater. Der hatte grundsätzlich Probleme damit, Beamte zu mögen.

Abends reden wir gern über unsere Pläne, träumen zusammen von einer Zukunft und versprechen uns, keine Kinder zu wollen. In der DDR ging das leicht zu realisieren. Wobei ich eigentlich einen großen Fehler gemacht habe. Ich hätte mich sollen sterilisieren lassen. Zwei Kinder aus der ersten Ehe sind eigentlich schon Belastung genug für einen Vater. Für die Mutter natürlich auch. Aber in der DDR fiel das nicht so gravierend auf, wie heutzutage im Kapitalismus. Die Belastung des Vaters trägt natürlich auch seine neue Frau mit. Und das ist eigentlich das Böse an diesem System. Zuerst müsste also die Frage gestellt werden: Wer wollte die Kinder? Und genau das sollte auch ein Vertragsgegenstand einer Ehe sein.

Wir Zwei wollen keine Kinder und Joana steht dazu. Und das ist ein Liebesbeweis, den ich selten von einer Frau erwarten kann. Frauen bevorzugen Kinder als Erpressungsmittel. Ob ausgesprochen oder nicht. Deren Ehe steht sozusagen, auf einer kriminellen Basis. Erpressung. Auf Grundlage dieser Basis, kann sich unmöglich eine feste Liebe entwickeln. Auf dieser Basis entwickelt sich eine Zweckgemeinschaft. Das kennen wir aus den Rechtsformulierungen. Dort wird das Zugewinngemeinschaft genannt. Die Ehe wird damit ein Sachgegenstand. Liebe ist in so einer Ehe, Zufall.

Joana als Gastwirtin

Weil Joana Verkäuferin gelernt hat, lag es uns natürlich am Herzen, dass sie die Bedienung und den Service übernimmt. Die Entscheidung ist gar nicht so übel. Joana bekommt einfach mehr Trinkgeld als ich. Zu aller Erst musste meine Joana lernen, Bier zu zapfen. Das Anschreiben und Abrechnen ist ihr eine Leichtigkeit. Joana verliert auch nicht den Überblick. Zusehens spüren wir, der Beruf macht Joana extrem glücklich. Sie findet es einfach besser als im Laden zu stehen. Meine Gäste finden das auch besser. Von einem Tag zum Anderen, bin ich nicht mehr ihr Ansprechpartner. Sie verlangen immer Joana als Bedienung von mir.

Dadurch kann ich mich endlich mehr um die Küche bemühen. Im Nu sind wir Gesprächsthema Nummer zwei im Ort. Also, kurz nach den aktuellen Neuigkeiten.

Unsere Staatsführung gibt das alte Preisniveau teilweise auf. Wir Gastwirte bekommen plötzlich das Angebot, eine neue Preisstufe beantragen zu können. Wir sollen das neue Delikatsortiment in unsere Kalkulationen einfließen lassen. Das ist natürlich auch abhängig von der Preisklasse. Ich kann also nicht über Nacht, Champignons auf alle Gerichte schmeißen. Auf die Art, versuchen viele Kollegen, ihr Angebot etwas zu verteuern. Es lockt eine etwas größere Handelsspanne. Plötzlich gibt es wieder endlos beliebte Likörsorten. Leider gibt es wenig Nachfrage; bei den Preisen. Dafür gibt es aber harte Diskussionen am Stammtisch. Joana kann diese Diskussionen gut abmildern. Im Grunde bleibt Alles beim Alten. Der Einkauf wird für mich etwas komplizierter.

Neuerdings kommen zu uns unsere vietnamesischen Freunde. Sie haben oft Dinge im Gepäck, die bei uns am Stammtisch ziemlich gefragt sind. Es entwickelt sich ein kleiner Zusatzmarkt. Sozusagen, Straßenverkauf mit Prämien als Zusatzangebot. Darunter sind auch Körpersprays aus dem Westen oder zumindest mit einem Westmarkenname. Unsere vietnamesischen Freunde haben praktisch die Überschüsse der DDR Lizenzproduktion an den Mann gebracht. Die Produkte sind nicht billig. Zudem sind sie wirklich schwer absetzbar. In der DDR gibt es Besseres zu günstigeren Preisen. Aber damit wird am Stammtisch eine Welle erzeugt, die ernstere Folgen provozierte. Ich bekomme jetzt häufiger Besuch von unserer Volkspolizei auf der Suche nach Schwarzhändlern. Ich wurde auch erwischt beim Verkauf. Sämtliche Waren wurden konfisziert und ich durfte mir einige Tage lang, schwere Vorwürfe, Schulungen und Belehrungen anhören.

Die Volkspolizei ist sehr engagiert, uns Sündenböcke nachhaltig aufzuklären.

Montags, zu unserem Ruhetag, finden jetzt komische Versammlungen auf unseren großen Plätzen der Kreisstadt statt. Teile unserer Stammgäste luden uns zu so einem Treffen ein. Wir gingen einmal mit. Als Sprecher und Sprecherin stehen ausgerechnet Ärzte auf dem Podium. Und die schwätzten etwas von Demokratie. In einer Demokratie, von der die da schwärmen, wären sie nie Arzt geworden. Das verschweigen die uns. Die Leute machten sich damit lächerlich. Die knapp zweihundert Zuhörer gehen kopfschüttelnd vom Platz. Wahrscheinlich werden solche Treffen, wöchentlich abgehalten. Ehrlich gesagt, Gastwirte haben für so einen Stuss, einfach keine Zeit.

Mittwochs ist das natürlich Thema bei uns im Lokal. Es gibt auch ein paar Antragsteller auf Ausreise in den Westen. Zwei meiner Stammgäste waren da und geben sich alle Mühe, die Leute von der Realität im Westen zu überzeugen. Joana kann etwas mitreden bei dem Thema. Sie hat Westverwandtschaft und auch eigene Geschwister da.