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Kh Beyer – Joana - deutsch (страница 3)

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Frauen im Westen können gar keine Alimente bekommen, weil deren geschiedene Männer von Anwälten und Richtern geplündert werden. Und Frauen, die das zu verantworten haben, verspielen damit ihr Recht, gleichberechtigt behandelt zu werden. „Wir schwören uns Treue in guten und in schlechten Zeiten“, heuchelt die normale Westbraut in einem geliehenen oder auf Kredit gekauften Brautkleid. Britta musste einsehen, dass die drei Jahre Arbeit in der Sowjetunion unser sehr wackliges, junges Familienleben zerstört hatten. Wir waren nicht die Einzigen. Ein hoher Preis für Gas und Öl, das uns der Westen geklaut hat.

Joana verliebt sich praktisch in einen Mann, der bis auf einen alten sowjetischen Koffer, kein Eigentum besitzt. An diesem Mann sind schon zehn Jahre mehr vorbei gegangen. Vorbei. Ohne Gewinn. Ein Start bei Null. Was soll das jetzt werden?

Zur Wendezeit sind unsere schönsten Frauen von kriminellen Westbesatzern gekauft worden. Wenn sie sich haben kaufen lassen. Die Bordsteine waren sehr lang. In sehr kurzer Zeit durften wir den Unterschied zwischen Frau und Nutte kennen lernen. Man könnte fast den Eindruck bekommen, die Nutten hätten gewonnen. Haben sie nicht. Sie sind jetzt Mitinhaber von Westschuldscheinen. Der Bordstein hat sich damit nur verlängert. Joana war eine Ausnahme. Sie wollte bleiben.

Das Zusammensein mit Joana war sehr schön. Wir wechselten uns ab beim Eier braten in den Pausen. In der Kaufhalle mussten schnell noch ein paar Eier gekauft werden. Dazu haben wir hausschlachtene Blutwurst, etwas Schinken und Jagdwurst gekauft. Für große Küche fanden wir keine Zeit. Ein paar frische Brötchen vom Bäcker und fertig war das Mahl.

Joanas Eltern kamen nach dem Wochenende wieder. Trotz der peinlichen Putzaktionen Joanas, wussten sie sofort Bescheid. Ich denke heute manchmal, das war so geplant.

Das gemeinsame Kaffeetrinken war damit angesagt. Kuchen hatten wir vom Bäcker mitgebracht. Eierschecke, Kirmeskuchen und Zupfkuchen. In Sachsen war es fast eine Tradition, seine zukünftigen Schwiegereltern bei einem Kaffeetrinken kennen zu lernen.

Die zukünftigen Schwiegereltern stellten sich vor. Bei den Gesprächen ging es sofort darum, womit ich mein Brot verdiene. Gastwirt war damals noch ein ehrenvoller Beruf. Herbert war davon begeistert. Brigitte auch. Schon bei dem ersten Zusammentreffen wurde mir klar, ich soll Schwiegersohn werden.

Herbert kannte meine Eltern. Mich auch. Davon wusste ich aber nichts. Herbert arbeitete beim Straßenbau. Und die Arbeiter kannten praktisch jede Gastwirtschaft im Kreisgebiet. Vor allem die Gastwirtschaften mit einem Speiseangebot. Bei schlechtem Wetter waren die Arbeiter ziemlich lange in der Gastwirtschaft. Das nannte sich Regenschicht. Arbeiten mit Bitumen waren damals, bei dem Wetter, schlecht möglich. Ebenso Markierungsarbeiten und Arbeiten an Straßengräben.

Herbert erzählt nebenbei, er hätte von meinen Eltern ein Doppelstockbett gekauft. In dem habe ich oben geschlafen. Ich hatte das längst vergessen. In diesem Bett schlief auch Joana und ihr Zwillingsbruder. Joana schlief auch oben. Damals noch ohne mich. Dieser Zufall wurde in unserer Ehe fast schon ein heiliger Spruch. Wir lachen heute noch oft darüber.

„In diesem Bett hatte ich meinen ersten Sex“, sage ich oft scherzend zu Joana. Ich möchte sie dazu bringen, etwas über ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe zu erzählen. Der erste Sex als Kind war selbstverständlich die manuelle Variante.

„Hast Du das etwa gespürt?“

Joana hat bis heute, nichts dazu gesagt. Ich respektiere das. Notlügen will ich keine hören. Das passt nicht zu uns. Wir haben ein ganzes Leben Zeit, Dieses oder Jenes zu beichten. Je länger Etwas her ist, desto größer wird der Spaß damit.

Brigitte arbeitete auch. Fünf Kinder wollten ernährt sein. Auch in der DDR. Brigitte und Herbert haben das prächtig hinbekommen. Ich jedenfalls, kann mich nicht beklagen.

Brigitte arbeitete als klassische Sekretärin. Trotzdem sie eine wirklich schöne Frau war, hatte sie es nicht nötig, ohne Unterwäsche auf Arbeit zu gehen. Brigitte war klug, gerecht, lieb und trotzdem ziemlich dominant. Sie übte ihre Dominanz in einer Art ruhiger Überlegenheit aus.

Montag und Dienstag hatte ich Ruhetag. Herbert war natürlich interessiert, wie ich meine Gaststätte betreibe. Wir fuhren zusammen mit dem Bus. Joana war ziemlich aufgeregt.

Trotzdem ich Ruhetag hatte, stand genug Arbeit an. Die Brauerei hatte geliefert. Es standen vier Fässer Bier vorm Haus. Die Flaschenlieferung war dienstags. Das war mein zweiter Ruhetag. Herbert wollte sofort die Fässer in den Keller rollen. Als ich ihm die Kellertreppe zeigte, ließ sein Interesse sofort nach. Das war ihm eindeutig zu gefährlich. Mein Bierkeller war ein ehemaliger Luftschutzraum. Fünfzehn Stufen hatte die Treppe. Ein Fass, das dort ins Rollen kam, ging sofort kaputt. Selbst die leeren Fässer hoch zu transportieren, war schon eine Kraftanstrengung. Die Brauerei hatte mir dafür eine wirklich feine Sackkarre gegeben. Das Fass konnte ich darauf anketten. Die Karre zeigte ich Herbert. „Das ist zu schwer für mich.“

Für den Transport in den Keller, bei dem ich extra noch den Kopf extrem einziehen muss, braucht es schon einige Routine. An Tagen, an denen ich da bin, fährt mir der Bierkutscher die Fässer in den Keller. Der kennt die Gegebenheiten genau. Und er ist bedeutend kürzer als ich. Ich gab ihm dafür auch etwas Trinkgeld.

Wir gehen in die Gaststätte. Ich bin dort Pächter. Der Besitzer ist ein Bauer. Er arbeitet in der LPG als Traktorist, Techniker und Elektriker. Wenn ich komme, steht der schon hinter den Gardinen und beobachtet mich. Heute auch.

Er könnte uns sicher genau erzählen, wie viele junge Mädchen bei mir hier mit übernachteten. Heute sieht er einen Unterschied. Meine halbe Familie will das Restaurant sehen.

Vor seinem Haus steht auch ein Krankenwagen. Die Jungbäuerin lief aufgeregt auf dem Hof umher. Frank, der mit mir befreundete Krankenwagenfahrer, sah mich und kam sofort zu uns.

„Die Altbäuerin ist gestorben.“

„Oh. Das ist schade. Sie war die Einzige, mit der ich mich besonders gut verstanden habe.“ Sie war in dieser Gaststätte die Gastwirtin.

Der Jungbauer wollte sein Restaurant eigentlich selbst bewirtschaften oder für mehr Geld verpachten. Er war deshalb ein ziemlich unfreundlicher Zeitgenosse. Seine Frau, die Bäuerin, hätte er bei mir auch gern als Hilfe gesehen. Sie hat das Restaurant früher schon mit ihrer Mutter betrieben und wegen der Geburt einer Tochter, dem zweiten Kind, aufgegeben. Die beiden Jungbauern hatten sich ein neues Haus gebaut. Im Haus des Restaurants wohnte die Altbäuerin. Ihre Wohnung wird jetzt frei.

Trotz des tragischen Ablebens, bietet sich damit die Chance, ihre Wohnung zu mieten. Das würde die Nächte im Gastraum auf Stühlen und Luftmatratzen überflüssig machen. In der Trauer ist doch ziemlich oft auch etwas Freude versteckt.

Der Jungbauer kommt und stellt sich mit Jürgen vor. Das erste Mal seit Monaten. Die Jungbäuerin ist dabei. Sie hat entzündete Augen. Schluchzend stellt sie sich mit Andrea vor. Ihren Namen kannte ich aber schon von meinen Stammgästen her. Die fragten mich oft, warum ich sie nicht bei mir arbeiten lasse. Ganz einfach. Sie wollte zu viel Geld. Wenn sie meine Gäste bedient, bekommt sie auch das Trinkgeld. Das hätte ich ihr nicht zahlen können. Ich sparte auf ein Auto. Meinen Kleineinkauf musste ich immer noch mit einem Rucksack und dem öffentlichen Verkehr erledigen. Das war nicht einfach und ziemlich zeitaufwendig.

Die Familie geht mit mir und Joana zusammen in das Restaurant. Herbert gefiel das sofort. Ich hatte die Gaststätte neu tapeziert und gestrichen. Die Küche hatte ich mit Haushaltgeräten ausgestattet. Im Hinterzimmer habe ich ein Billard aufgebaut. Das war ein Geschenk meines Vaters. Er hatte es in seinem Gasthof abgebaut. Meine Eltern brauchten den Platz für ihre Gäste. Sie wollten auch den damit verbundenen Krach los werden.

Am Billardtisch wurde ziemlich oft gestritten. Unsere Bauern spielten nicht selten um Teile ihres Viehbestandes oder um diverse Liegenschaften.

„Und Du machst das ganz allein?“, fragt mich Herbert.

„Ja. Das ist eine ziemliche Rennerei. Der Stammtisch will natürlich bedient werden. Die Anderen, vor allem jüngeren Gäste, setzen auf eine Art Selbstbedienung. Das funktioniert.“

„Und wenn hier voll ist?“

„Hin und Wieder habe ich eine Abrechnung vergessen. Das kann zu bestimmten Zeiten ziemlich hektisch werden.“

Brigitte staunt bei der Schilderung. Sie kann sich schlecht vorstellen, wie das ein Mann allein erledigen kann. Ich konnte mir schlecht vorstellen, wie eine Frau, fünf Kinder groß ziehen kann und das bei einer Vollzeitarbeit im Büro. In der DDR ging das eben.

Im Westen ist so etwas unvorstellbar. Außer vielleicht bei unseren Gastarbeitern heute. Die müssen das bringen. Sie bekommen auch grundsätzlich den halben Lohn und die doppelte Miete. Das nennt sich westdeutsche Gastfreundschaft.

Andrea bot mir im Beisein Joanas, umgehend an, die Wohnung der Mama zu räumen, damit wir einziehen können. Ich soll mir die Wohnung selbst etwas frisch machen. Und schon war die Mietverhandlung beendet.