Kh Beyer – Steinschlag im Suldnertal (страница 4)
„Eine Gummischnalle“, ruft Monika. Sie kennt das. In ihren Zimmern auf der Hütte finden sie auch gelegentlich so ein Teil.
„Die Abreise war wirklich sehr eilig. Die haben sogar ihre Braut vergessen“, scherzt Toni.
„Ich dachte, Radfahrer sind impotent.“
„Das sind sicher windige Meldungen“, sagt Toni.
„Ich denke eher, Motorradfahrer sind da am meisten gefährdet.“
„Bei Auffahrunfällen, ganz sicher“, lacht Monika.
Sie kann sich gut erinnern, wie der Tank nach dem Unfall von Toni aussah.
„Lach du nicht zu früh. Schambeine brechen auch bei einem Auffahrunfall.“
„Ja schon. Du hast Recht. Aber das Futter bleibt frisch.“
Die Anspielung hat Toni sofort begriffen. Das wird wieder eine wilde Nacht.
„Hast du etwa den Heizboiler schon angesteckt?“
„Du bist heute bei mir auf der Hütte.“
„Was gibt es denn zu Essen?“
„Ultner Kalb.“
„Als Braten?“
„Nein. Als Fleischkrapflen.“
„Ah, die Reste.“
„Den Braten haben wir schon verkauft.“
„Lass uns aufbrechen.“
Die Zwei haben ihre Spuren gesichert und werden zu Hause den Rest auswerten. Marco wird sich freuen.
Eigentlich wollten sie bei ihm vorbei schauen. Er hat aber per Telefon abgesagt. Zu viel Trubel. Toni kann sich das gut vorstellen mit den vielen Ausländern.
Die Carabinieri haben zwei Rennfahrer mitgenommen. Deren Werte waren viel zu hoch. Die Teamchefs haben gleich mit den Medien gedroht.
Eine Mannschaft hat sich beim Eintreffen der Carabinieri verdrückt. Fluchtartig. Marco sagt, es wäre das Draft – Team. Die wollten sie noch aufhalten. Das hat aber nicht funktioniert. Der Fluchtwagen stand schon bereit. Daraufhin haben die Carabinieri die Grenzposten informiert. Dort ist Keiner von denen durch gekommen.
„Die sind geflogen“, sagt Toni.
„Tja. Das nenne ich eine gut organisierte Flucht“, antwortet Marco.
„In den Zimmern werden wir genug Material finden.“
„Mach bitte keine Pressemitteilungen. Wir müssen ermitteln.“
„Versprochen.“
Die Zwei fahren mit dem Moto durch den Vinschgau. Die Zeit ist günstig. Der Feierabendstau ist vorbei. In Richtung Schlanders ist der Verkehr noch etwas rege. Aber danach ist es schon ziemlich ruhig.
Seilbahn fährt keine mehr. Die Zwei müssen mit dem Moto bis zum Aschbach. Am späten Feierabend gibt es einfach keine Verbindung. Wehe, der Dienst geht zu lange. Dann steht man im Regen. Toni schimpft vor sich hin.
„Wir stehen morgen etwas später auf“, sagt Monika zu ihm tröstend.
Mit dem Quad fahren die Zwei in Monis Hütte. Papa Lukas ist noch da. Er richtet den Zweien die Kalbspflanzerln. Toni möchte drei. Monika auch. Lukas lauscht den Zweien. Langsam zieht es ihm die Augen zu, trotzdem das, was die Zwei erzählen, spannend ist. Er kann das einfach nicht fassen. Er bewunderte Marco P. ganz besonders.
Monika geht zuerst aufs Zimmer. Sie steht unter der Dusche als Toni ihr folgt. Drei aufreizende Gesten von ihr und Tonis Müdigkeit scheint überwunden. Toni schüttelt mit dem Kopf bei dem Anblick. Ein Engel steht unter der Dusche. Allein. Nichts hält ihn.
Lukas weckt die Zwei am späten Morgen. Er hält das Telefon in der Hand. Marco ist dran.
„Nach unseren Erkenntnissen waren es ein oder mehrere Fahrer aus einem gegnerischen Team.“
„Wie? Was?“
Toni ist noch nicht bei der Sache.
„Wir haben an den Steinproben, Spuren von Radfahrerhandschuhen gefunden.“
„Die Handschuhe benutzt doch jeder Amateur heutzutage.“
„Aber nicht die. Eigentlich waren die Handschuhe nur die Überträger.“
„Ich kann deiner Spur nicht folgen.“
„Wir haben Spuren von einer Sitzcreme gefunden, die noch nicht auf dem Markt ist und von Profis als Test benutzt wird.“
„Da muss erst Mal Einer drauf kommen.“
„Für uns war das auch neu. Ein italienischer Kollege, Radfahrer, hat uns drauf gebracht.“
„Jetzt müssen wir nur das Team finden, das die Creme benutzt.“
„So einfach ist das nicht. Der Hersteller hat mehrere Teams beliefert.“
„Wir fangen also wieder von Vorne an?“
„So auch nicht. Jetzt geht es darum, heraus zu bekommen, wer an diesem Tag oder zuvor, in dieser Gegend gefahren ist.“
„Naja. Das ist wenigstens auch genug Arbeit.“
„Wir sehen uns frühestens heute Abend. Ich warte immer noch auf Proben und Laborergebnisse.“
Monika hat Alles mit gehört.
„Wir können noch Mal.“
„Unersättlich das Weib.“
Toni fügt sich in Erwartung eines richtigen Wiener Schnitzels.
‚Etwas Lohn muss sein‘, denkt er sich.
Papa Lukas hat schon Kaffee und Kuchen mit gebracht.
„Den hat Frieda gebacken.“
„Der schmeckt nach Frieda“, sagt Monika.
Lukas schaut Monika in die Augen und verschwindet ohne ein Wort zu sagen.
‚Was hat sie ihm für ein Zeichen gegeben?‘, fragt sich Toni.
Gegen Mittag wecken Beide auf. Sie gehen nach Unten in die Küche. In der Küche steht, wie in vielen Südtiroler Küchen, der Personaltisch. Alle sitzen beisammen und essen Krapfelen vom Kalb. Luici der Koch, hat eine Zwiebelsauce und Stampfkartoffeln dazu gekocht. Es riecht köstlich. Als sie Toni und Monika bemerken, kichern sie etwas.
„Geht es dir gut, Toni?“, fragt Lukas. Alle kichern noch einmal. Monika wird etwas rot.
„Ich hab Hunger“, antwortet Toni. Jetzt lacht Monika.
„Ich auch.“
„Und du, Luici? Hast du auch Hunger?“