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Kh Beyer – Steinschlag im Suldnertal (страница 3)

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An sich ist das Radfahren, auch unter Doping, eine extreme Belastung. Zumindest so, wie es aktuell, professionell betrieben wird. Gesund kann das nicht sein. Es grenzt eher an eine schwere Körperverletzung.

Luise sagt zu Toni, im Kühlhaus im Keller steht noch eine Kühlbox von Marco P..

„Die schau ich mir später an“, antwortet Toni. Er wartet auf den Morgen, um die Box, Marco, dem Kommissar zu übergeben.

Jetzt, nach dem Essen und den Gesprächen, hätte Toni eigentlich noch Lust, seine Monika zu besuchen. Er ruft an, ob sie noch auf ist. Sie ist aber nicht auf dem Aschbach, sondern auf ihrer Hütte. Das würde wirklich zu lange dauern. Toni verabschiedet sich von dem Wunsch und geht auf sein Zimmer.

Luise weckt Toni mit dem Telefon. Es ist halb Sieben.

„Marco und die Feuerwehr aus Schlanders sind angekommen.“

„Ich komme sofort.“

Luise hat schon Rührei, Brot und Aufschnitt gedeckt. Reinhold hat frische Brötchen von Bäcker geholt.

Nach dem Frühstück gehen alle Beteiligten los zur Unfallstelle. Sie müssen die Straße halbseitig sperren. Die Talbewohner schimpfen etwas.

„Ausgerechnet zu der Zeit, zu der wir auf Arbeit müssen.“

Die Verspätungen werden in den jeweiligen Firmen schon Schäden hinterlassen. Im Raum um Prad und im Müstairtal, sind reichlich Firmen angesiedelt. Auch die Pendler, die in der Schweiz und im Grenzbereich arbeiten, schimpfen. Marco hat den Zeitpunkt schlecht geplant. Zumal das Tageslicht eh etwas auf sich warten lässt an der sehr dunklen Stelle des Tales.

Das Einrichten der Technik dauert etwas. An den Korb der Arbeitsbühne müssen noch Scheinwerfer montiert werden. Den Stromgenerator hat die Feuerwehr gleich mit gebracht.

Toni wirkt etwas unsicher auf der Plattform. Der Kollege von der Feuerwehr lacht ihn fast aus:

„Bist du nicht gewohnt. Keine Angst. Da passiert nichts.“

Sie kommen an der Stelle an, von der sich die Steine gelöst haben sollen. Bisher war das eine Vermutung. Hier ist die einzige Schanze, auf der sich eine derartige Menge an Steinen sammeln konnte. Volltreffer. Die Steine haben tatsächlich hier gelegen. Den Zweien wird umgehend klar, von allein können die sich unmöglich gelöst haben. Es bleibt zu klären, wie sich die Leute, welche die Steine lösten, bis hier her bewegen konnten. Toni sucht Hilfsmittel und Vorrichtungen, die das ermöglichen. Tatsächlich sind an kleinen Bäumchen, an Grasnarben und im Moos, Spuren zu sehen. Toni zieht auch davon Proben. Vielleicht ergibt sich eine Spur auf die verwendeten Hilfsmittel. An bestimmten Steinen sind Scheuerstellen sichtbar. Von diesen Stellen zieht Toni auch Proben. Etwas weiter oben findet Toni Reste von Textilien. Und kurz bevor sie zurück wollen, sieht Toni tatsächlich eine Tube mit Vaseline. Rüdiger, der Feuerwehrmann lacht.

„Die gleichen Funde haben wir bei Wohnungsbränden.“

An zwei – drei kleinen Birken zieht Toni noch Fingerabdrücke.

„Das muss jetzt reichen“, sagt er.

Die Feuerwehr samt Carabinieri ziehen ab. Ein paar Schaulustige sind stehen geblieben. Deren Fragen beantwortet Toni etwas wässrig.

„Wir untersuchen einen Unfall.“

Das reicht für die Passanten.

Die Zwei haben etwa einhundert Proben im Gepäck neben diversen Funden. Ein paar Textilreste, die Vaseline und sogar den Teil eines Preisschildes.

„Damit lässt sich schon Etwas anfangen“, sagt Toni.

„Habt ihr ein eigenes Labor“, fragt Rüdiger. „Oder soll ich das ins Feuerwehrlabor mitnehmen.“

„Wir haben ein eigenes Labor. Euer Labor ist doch das Unilabor.“

„Teilweise.“

„Gehen wir noch einen Kaffee trinken bei Luise?“

„Natürlich. Luise wird sicher auch wissen wollen, ob wir haben, was wir suchten. Ich habe auch schon wieder Hunger.“

Nachdem sie bei Luise noch das zweite Frühstück genommen haben, gehen die Zwei. Toni bleibt heute nicht bei Luise. Er fährt zu Monika in die Hütte. Dort können sie zusammen die Erkenntnisse sortieren und einen Ermittlungsplan festlegen.

Außerdem braucht Toni jetzt etwas Motivation. Davon hat Monika genug.

Toni fährt mit dem Motorrad bis an seine Garage. Monika wartet schon.

„Wir können bis nach Oben fahren mit dem Moto.“

Gesagt getan. Oben angekommen, wartet ein Elektroquad, angesteckt vor Tonis Hütte. Mit dem fahren sie zusammen in Monikas Hütte. Die hat geöffnet und ist gut besucht.

Im Büro von Moni liegen vor Toni die ganzen Unterlagen, die Marco schon gesendet hat. Und die haben es in sich. Sieben ausländische Mannschaften sind in Südtirol. Wenn Toni die alle besuchen will, braucht er ein Jahr. Er ruft gleich Marco an. Der muss in allen Hotels Razzien veranlassen. Man braucht Fingerabdrücke, Genproben und Aussagen. Heimlich geht das nicht mehr. Die Teams werden auch wissen, was passiert ist und sich dazu bereit erklären. Es handelt sich immerhin um einen Sportkameraden, der stark geachtet war bei Allen. Eigentlich bräuchte Marco nur die Dopingkontrolleure anrufen. Die haben ganz sicher alle Tests schon da. Die Fingerabdrücke jedoch, die müssen sie sich holen in den Unterkünften.

Die Ämter, welche Marco kontaktierte, haben keine Bauarbeiten an der Stelle ausgeführt. Etwas weiter Unten laufen Projekte an einer Staustufe. Prad möchte auf diese Art den eigenen Strom gewinnen.  Das Prinzip des Raubes von Volkseigentum ist seit der politischen Wende in Europa, ein oft erprobtes. Lange werden sich die Einwohner dieses Ortes nicht an ihrem Eigentum erfreuen können.

Auch Befestigungsarbeiten sind dort angeblich nicht vorgesehen. Damit wissen die Ermittler jetzt, dort hat kein Arbeiter etwas getan. Jetzt bleiben noch die Bauern. Marco kann sich aber schlecht erklären, warum ein Bauer ausgerechnet dort nach Holz suchen sollte. An anderen Stellen liegt das vor seinen Füßen.

Energie- und andere Leitungen liegen dort nicht. Masten sind keine in der Nähe. Aufzüge und Lifte sind dort noch nicht vorgesehen. Gerade beim Bau von Seilanlagen sind in der Folgezeit, Steinschläge und Muren zu befürchten. Der Eingriff in das feste Gefüge des Gebirges führt zu Lockerungen und Verwerfungen.

Marco dachte zuerst, dort wäre vielleicht eine Trasse für Glasfaserkabel angelegt oder geplant gewesen. Der Gedanke war abwegig. Wer soll dort Wartungsarbeiten durchführen?

Bei der Nachfrage wurde Marco heftig ausgelacht. In Anbetracht der vergangenen Projekte, die bisweilen im Land ausgeführt wurden, war der Gedanke gar nicht abwegig. Immerhin gab es nach Neubauten und Erschließungen in vielen Regionen schwere Muren und Steinschläge.

Marco ruft Toni an. Sie sind schon im ersten Hotel. Im Trickhof von Schlanders. Das Hotel Germ werden sie gleich danach besuchen. Toni traut der Ruhe nicht. Er geht davon aus, die Fahrer aus der Mücke in Prad haben schon ihre Kollegen in den anderen Unterkünften angerufen. Der Vorsicht halber ruft Toni in Schluderns an. Die Carabinieri sind auch schon im ersten Betrieb, dem Burghof. Die Kollegen sagen Toni auch, welchen Betrieb sie als Nächstes nehmen. Den Krummel. Toni entschließt sich kurzer Hand, von Hinten über das Gewerbegebiet, in das Hotel Davons zu fahren. Monika fährt Toni mit dem Quad zum Aschbach. Jetzt muss es schnell gehen. Monika will mit fahren und helfen.

Schon in dreißig Minuten sind die Zwei von Rabland nach Spodinig gefahren.

‚Rekord‘, denkt sich Toni. So schnell war er um diese Zeit noch nie. Es sind immerhin schon einige Arbeiter unterwegs. Vor allem um die Gewerbegebiete Latsch und Vezzan; auch direkt in Schlanders. Dort hat Toni sogar mit dem Motorrad Schwierigkeiten, flüssig durch zu kommen. Manchmal träumt Toni von einem Warnsignal an seinem Motorrad. Das würde vielleicht helfen.

Toni nimmt sich vor, nicht durch das Gewerbegebiet in Prad zu fahren, sondern direkt über Schluderns. Er glaubt, damit schneller zu sein. In knapp fünfzig  Minuten sind sie da. Zwei Kollegen von den Carabinieri warten schon auf ihn. Sie haben keine Utensilien für die Proben mit. Toni nur die Utensilien für die Fingerabdrücke.

„Das reicht mir“, sagt er den Zweien.

Die Tür ist noch verschlossen. Toni klingelt.

„Wir haben auch schon geläutet“, sagt ihm ein Kollege. Die etwas verschlafene Wirtin kommt an die Tür und bedankt sich für das Wecken. Sie hätte sonst verschlafen.

“Das erste Mal in zwanzig Jahren“, sagt sie.

„Martha“, stellt sie sich vor.

„Toni“, antwortet er ihr.

„Guten Morgen“, sagen Beide fast zeitgleich.

„Ich suche die Radfahrer der Mannschaft – Fickel.“

„Die sind schon um Drei Uhr abgereist. Deshalb habe ich verschlafen. Gebucht war eigentlich zwei Tage länger. Bezahlt haben sie die gesamte Zeit.“

„Darf ich mir mal deren Zimmer ansehen?“

„Gerne. Wir sind aber noch nicht zur Reinigung gekommen.“

„Gerade das, finde ich gut.“

„Wollt ihr einen Kaffee trinken?“

„Gerne. Reichlich bitte“, antwortet Monika.

„Ach. Ich habe noch genug da. Die Radfahrer haben ihr Frühstück fast stehen gelassen.“

Monika schaut Toni in die Augen und lacht.

„Volltreffer!“

Bei eiligen Abreisen wird allgemein viel vergessen. Auf alle Fälle kann Toni die Fingerabdrücke ziehen. Vielleicht sind auch ein paar Genproben dabei. Die holen sich dann die Kollegen. Toni spekuliert auf den Sanitärbereich.

Bei der Durchsuchung merken sie, im Bad haben die Jungs ziemlich eilig poliert. Die Spurenfahnder werden  viel Arbeit haben. Fingerabdrücke hat Toni hingegen reichlich. Die paar Möbel im Zimmer haben die Sportler nicht komplett geschafft. Wahrscheinlich ist die Warnung sehr spät eingegangen. Marco könnte jetzt mal die Telefongesellschaft fragen, wann Telefonate statt gefunden haben. Plötzlich lacht Monika ziemlich laut. Sie hat etwas in der Hand und hält es hoch. Toni muss auch sofort lachen.