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Евгений Попов – PROPHETIE (eine Sammlung fantastischer Erzählungen) (страница 3)

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«Meine Herren», begann er ohne Umschweife. «Objekt 'Apophis' ist 2029 an der Erde vorbeigezogen, wie von der Schriftrolle vorhergesagt. Heute ist der 30. April 2030. Nach unseren Erkenntnissen hat bereits Kontakt mit den 'Gästen' stattgefunden.»

Er klickte auf eine Fernbedienung. Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht eines Mannes mittleren Alters.

«Peter Meyers. Vor drei Tagen geriet ein Lichtstrahl, der vom Himmel herabkam, in die Objektive unserer Kameras und fuhr in diesen Mann. Seitdem hat sich sein Verhalten radikal verändert. Er kaufte ein Ticket nach Yellowstone und reservierte heute Abend einen Tisch im Restaurant 'Goldene Fackel'.»

Ihm gegenüber standen zwei Agenten: Ellis Rogers, eine zierliche Blondine mit stahlgrauen Augen, und John Donovan, ein stämmiger Brünetter mit dem kalten Blick eines Veteranen aus Krisengebieten.

«Ellis, John», wandte sich McCaw an sie. «Sie sind Operation 'Göttlicher Wille'. Ihre Aufgabe: sich einschleusen, Peter Meyers gefangen nehmen oder neutralisieren, falls er sich als Träger einer feindlichen Entität erweist. Wir brauchen Daten über ihre Kampffähigkeiten. Leute, das Schicksal der Menschheit hängt davon ab. Es bleibt keine Zeit. In Yellowstone wurde bereits seismische Aktivität registriert.»

Ellis und John wechselten einen Blick. Routine? Nein, heute war sie alles andere als Routine.

Teil 4. Heras Strategie

Wohnstatt der Götter. Heras Gemächer.

Hera blickte in ihren magischen Spiegel und beobachtete die Vorbereitungen von Hades und die CIA-Agenten. Ihr Frauenherz ahnte Unheil. Hades würde mit seiner finsteren Entschlossenheit nicht vor halben Maßnahmen haltmachen. Und Zeus' Zorn würde furchtbar sein, wenn er erfuhr, was geschehen war.

«Persephone», rief sie.

Aus dem Schatten trat die schöne, aber traurige Götting, die Gemahlin des Hades, verurteilt, ein halbes Jahr im Totenreich zu verbringen.

«Ja, Königin?»

«Liebst du deinen Mann?», fragte Hera, ohne sich umzudrehen.

«Mehr als mein Leben», antwortete Persephone leise.

«Dann musst du ihn retten. Vor seiner eigenen Dunkelheit. Und damit auch diese törichte, nichtsnutzige Welt.»

Hera reichte Persephone ein kleines Fläschlein aus Bergkristall, in dem eine Flüssigkeit schimmerte wie flüssiges Gold.

«Es ist Aphrodites Trank. Er ist stärker als jeder Eid, stärker als der Tod selbst. Du wirst auf die Erde hinabsteigen. In die junge Frau namens Ellis fahren. Sie ist eine Agentin, die auf Hades' Spur ist. Du wirst diesen Trank in das Glas deines Mannes schütten, und er … er wird sich daran erinnern, was Liebe ist. Nicht die finstere Leidenschaft für Macht, sondern die helle, aufopfernde Liebe zu einer Sterblichen – zu dir, in Ellis' Gestalt.»

Persephone nahm das Fläschlein und spürte seine Wärme.

«Aber … Zeus? Sein Zorn? Mein Plan?»

«Dein Plan, Kind», Hera drehte sich endlich um und lächelte, «ist besser. Schönheit und Liebe, gesandt von Hera. Erinnerst du dich an die Prophezeiung? Wir haben sie nicht erfunden. Sie war vorherbestimmt. Erfülle sie.»

Persephone verschwand in goldenem Licht.

Teil 5. Begegnung in Washington

Morgen des 30. April 2030, ein Café in Washington.

Ellis trank ihren kalten Kaffee und trommelte nervös mit dem Finger auf ihrem Tablet.

«Sieh mal, John. Die Überwachungskameras haben Peter Meyers heute Morgen erfasst. Er ging lächelnd vor sich hin. Aber das Seltsamste: Als er an einer Kirche vorbeiging, sprang die Statue eines Engels über dem Eingang … von selbst. Die Analysten glauben, es handelt sich um ein Feld göttlicher Energie.»

«Verstanden», nickte John. «Also heute Abend im Restaurant. Wir setzen uns zu ihm. Wenn nötig, nehme ich ihn mir auf der Toilette vor. Ruhig und sauber.»

Plötzlich verdichtete sich das helle Morgenlicht, das durch die Jalousien fiel, zu einem einzigen Strahl. Er durchdrang das Glas, durchfuhr Ellis, und sie fühlte, als entzünde sich in ihrer Brust eine warme Sonne.

«Was war das?», starrte John sie verwundert an. «Du leuchtest? Ich habe gesehen, wie der Strahl in dich eindrang!»

Ellis blinzelte, spürte eine seltsame Leichtigkeit und zugleich eine unglaubliche Kraft. Sie lachte – zum ersten Mal seit Langem aufrichtig und hell.

«Das bildest du dir ein, John. Schlafmangel. Keine Beachtung schenken.»

Doch in ihr erklang nun eine leise Stimme wie ein Flüstern des Windes: «Fürchte dich nicht, Ellis. Wir werden alles richtig machen.»

Teil 6. Restaurant «Goldene Fackel»

Am Abend erstrahlte das Restaurant in hellem Glanz. Peter Meyers saß an einem Tisch für vier Personen und starrte düster auf die Speisekarte. Er spürte in sich eine fremde, gewaltige Macht, die auf ihre Stunde wartete, um nach Yellowstone zu gehen und den Weltuntergang auszulösen. Es lastete schwer auf ihm.

«Oh, wie gemütlich es hier ist!», ertönte eine helle Stimme. «Junger Mann, haben Sie etwas dagegen, wenn wir uns zu Ihnen setzen? Überall ist es so voll!»

Ellis, strahlend und schön, und John, der einen leicht angetrunkenen Verehrer spielte, standen bereits neben ihm. Peter wollte gerade anherrschen, sie möchten verschwinden, aber als er das Mädchen ansah, durchfuhr ihn ein seltsamer Stich in der Brust. Ihr Gesicht … es kam ihm vor, als kenne er es seit tausend Jahren.

«Äh … ja, natürlich», murmelte er zu seiner eigenen Überraschung.

Sie bestellten das Abendessen. Ellis plauderte ununterbrochen, John hielt das Gespräch im Gang und musterte Peter beiläufig. Peter hingegen konnte den Blick nicht von Ellis wenden. Sie war schön, und in dieser Schönheit lag eine rettende, besänftigende Kraft, die den Ruf des Hades zur Zerstörung übertönte.

Zwanzig Minuten später erschien der Kellner (mit einem kaum sichtbaren Ohrhörer – ein verdeckter Agent). Er trug ein Tablett mit Getränken. Alles lief nach Plan.

«Ihr Orangensaft, mein Herr», der Kellner stellte das Glas hin, «stieß» es jedoch «versehentlich» mit der Hand an. Das Glas kippte um, direkt auf Peters Hose.

«Oh Gott! Mein Herr, verzeihen Sie! Um Himmels willen, verzeihen Sie!», entschuldigte sich der Kellner aufgeregt.

Peter sprang auf und klopfte sich ärgerlich den Saft ab.

«Verdammt … wo ist hier …?»

«Die Toilette gleich rechts den Flur hinunter», half John schnell aus. «Wir passen solange auf Ihren Platz auf.»

Sobald Peter hinter der Tür verschwunden war, erhob sich John.

«Ich gehe ihm nach. Ellis, sei bereit.»

John schlüpfte in den Flur. Ellis aber schüttete, einem plötzlichen Impuls folgend, den Inhalt des Fläschchens mit «Aphrodites Trank» – den ihr die CIA als «Wahrheitsserum» gegeben hatte – in Peters Glas. Dann, von einer seltsamen Unruhe getrieben, folgte sie John.

Sie betrat die Toilette und sah folgende Szene: John hielt Peter eine Pistole an die Schläfe.

«Ruhe, 'Göttchen'. Jetzt unterhalten wir uns mal», zischte John.

Da hörte Ellis auf, sie selbst zu sein. Ihr Körper handelte von selbst. Ihre Hand zog ihre Pistole aus dem Halfter, und bevor sie denken konnte, krachten drei Schüsse. John sank lautlos zu Boden. Eine Blutlache breitete sich auf den Fliesen aus.

Peter starrte Ellis mit weit aufgerissenen Augen an. Sie stand zitternd da, die Pistole entfiel ihr.

«Ich … ich wollte nicht …», flüsterte sie. «Ich war das nicht …»

«Komm», sagte Peter fest. Er nahm ihre Hand, und sie kehrten in den Gastraum zurück. Gleich darauf würde der verdeckte Agent, der in die Toilette schaute, Alarm schlagen, aber sie hatten eine Minute.

Sie setzten sich an den Tisch. Ellis, einer Eingebung folgend, hob ihr Glas und Peters Glas.

«Trink mit mir», sagte sie.

Sie tranken. Und die Welt drehte sich um. Die Zeit blieb stehen. Der Lärm des Restaurants verschwand. Sie sahen einander an, und durch die sterblichen Hüllen brach das göttliche Wesen hervor.

«Persephone …», hauchte Peter, und seine Stimme gewann die Tiefe der Jahrtausende. «Meine Gemahlin … du hast mich selbst hier gefunden?»

«Hades», ihre Augen füllten sich mit Tränen – Tränen der Freude. «Königin Hera war gegen deinen Plan. Sie hat mich gesandt. Tu es nicht. Werd nicht zum Henker. Kehr heim. Zu mir.»

Hades blickte sie an. Die Dunkelheit in seiner Seele wich einem Licht, das stärker war als jede Magie – dem Licht wahrer Liebe, die durch Tod und Zeit gegangen war.

«Gut», sagte er schlicht. «Deinetwegen.»

Zwei blendende Lichtstrahlen – Hades' dunkelvioletter und Persephones goldener – brachen aus ihren Körpern, verschmolzen zu einem einzigen, verflochten sich wie zwei Bäume und schossen zum Himmel empor, durchschlugen die Decke des Restaurants. Peter und Ellis verloren gleichzeitig das Bewusstsein und ließen ihre Köpfe auf den Tisch sinken.

Der herbeieilende Kellner, Polizei, Ärzte … Sie wurden wieder zu Bewusstsein gebracht. Sie erinnerten sich an nichts mehr von den Göttern. Sie spürten nur eine seltsame, schmerzliche Zuneigung zueinander, als sie sich ansahen – einen Fremden. Sie tranken etwas Wasser und gingen getrennte Wege, doch das Bild des anderen blieb für immer in ihrer Erinnerung.

Teil 7. Der Zorn des Donnerers

Wohnstatt der Götter.

Zeus schleuderte Blitze in den Himmel, sodass auf der Erde ein Sturm ungeheuren Ausmaßes losbrach.

«Hera!», donnerte er. «Du hast wieder gegen meinen Willen gehandelt?! Du hast dem König der Götter den Gehorsam verweigert!»