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Kh Beyer – Joana - deutsch (страница 8)

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Unsere Kammer empfahl uns also, auf die Treuhand zu gehen und dort um ein Objekt anzusuchen.

Der Neubeginn

Zunächst mussten wir uns erst Mal etwas Geld besorgen. Wir hatten weder eine Arbeitsstelle noch ein Einkommen. Joana hatte noch Energie und fast grenzenloses Vertrauen in mich. Das Gros ihrer Kolleginnen hatte schon einen Mann aus dem Westen. Im Nu wurde reichlich Wohnraum frei in unseren Neubauten.

Auf dem Amt saßen unsere Bekannten von früher. Sie waren plötzlich nicht mehr Chef in der Abteilung. Sie sind jetzt Sachbearbeiter. "Eine steile Karriere haste hingelegt", scherze ich bei einem Gespräch.

"Jaja. Was willst Du denn?"

"Ich habe weder Einkommen noch eine Arbeitsstelle. Gibt es eine Hilfe, ein Geld oder so etwas?"

" Das Begrüßungsgeld hast Du schon?"

"Ja."

"Naja. Da hast Du schon unsere Hilfe." Er lacht dabei. "Hast Du nichts zum Verkaufen?"

Der Gedanke war nicht schlecht. 'Wer will jetzt einen Trabi?' geht mir durch den Kopf.

Der Termin in der Brauerei ist fällig. Wir verabschieden uns und fahren zu unserem Hoffnungsschimmer in die Brauerei. Am Betriebseingang sitzt unsere Nachbarin. Die Frau vom verstorbenen Lehrer. Julia heißt sie.

"Ich habe einen Termin mit dem Chef."

"Mit der Chefin", sagt Julia. "Wir haben eine Chefin. Unsere Männer wollten die Brauerei nicht übernehmen."

Ausgerechnet die Chefin der Lohnbuchhaltung konnte dem Haustrunk bisher widerstehen. Ihr Mann hat ihr Kontingent mit vertan. Die Haustrunk Genießer waren natürlich zu feige, die Verantwortung zu übernehmen. Frei nach dem Sprichwort betreffs der Onanie: "Alkohol schwächt Kopf und Knie." Eine DDR Frau zeigt den Männern, wie es geht. Mit Mut. Unser Sozialismus hat offenbar die Männer verweichlicht. "Jammerossis", jubelten die Propagandakanäle der Kriegsverbrecherfamilien. Jetzt kommt die Zeit unserer starken Frauen. Und Joana zeigte Stärke.

Margret, die Chefin der Brauerei, duzt mich natürlich. Wir kennen uns und sie möchte mit mir zusammen arbeiten. Die Kriminellen aus dem Westen würden uns jetzt als Seilschaft betiteln. Die Chefs der Westbrauerei waren zugegen.

"Wir haben bei uns eine Gaststätte, die frei wird",sagen sie uns.

"Ja gut. Ich muss mir die trotzdem erst mal anschauen."

Margret ist nicht begeistert. Ich sehe das in ihren Augen. Sie gibt stille Zeichen.

"Kommen Sie einfach mal vorbei. Wir fahren morgen wieder nach Hause."

"Gut. Wir sehen uns dann morgen Abend oder übermorgen."

Der Chef der Westbrauerei geht. Jetzt kommt Margret zur Sache.

"Die Treuhand verkauft unsere Gaststätten und wir könnten eine übernehmen."

"Das klingt interessant. "

"Dazu haben wir ja auch noch unsere Hausgaststätte."

DDR Bürger sollen ihr Eigentum kaufen, während Westganoven es rauben.

Das war früher ein Kulturhaus. Ein Mordsgebäude. Ich müsste einen Haufen Personal übernehmen. Davor habe ich jetzt bissl Schiss. Ich traue mir das nicht zu. Das Alles, bei neuen Gesetzen, mit den Besatzern, zu deren Bedingungen?

"Wir helfen Dir. Den Bau und so übernehmen wir."

"Das klingt verlockend. Ich muss das dringend überschlafen, Margret."

Die Sorge ist nicht unberechtigt. Selbst die Brauerei steht auf der Kippe. Kann Margret und ihr Kollektiv dem Westdruck widerstehen? Ich muss meine Eltern fragen. Das Risiko scheint mir unbeherrschbar. In den Augenblicken schau ich immer in die Augen Joanas. Was steht da? Joana ist mein Wahrsager.

Die Suche

Wir hatten also ab jetzt, die Möglichkeit, reichlich Fehler zu begehen. Der Rat mit der Treuhand war an sich nicht schlecht. Die Treuhand wurde in der Bezirkshauptstadt eingerichtet. Für uns war das Karl-Marx-Stadt.

In diesen Tagen wurden über Nacht, Millionen DDR Bürger arbeitslos. Lohnzahlungen blieben aus und verschwanden. In der Nacht fuhren tausende Lastwagen durch das Land in Richtung Westen.

Darauf waren unsere Maschinen und Fabrikeinrichtungen. Darunter modernste Technik.

Unsere Großeltern fragten bei unserem Besuch, ob die Russen wieder da seinen.

"Nein. Es sind angeblich unsere Landsleute."

"Und die klauen unsere Maschinen?"

"Ja. Das haben die doch auch in der Sowjetunion gemacht. Offensichtlich können die sich nicht von ihren Gewohnheiten verabschieden."

"Das geht nicht gut aus!"

Vor nahezu jeder Haustür standen Kriminelle aus dem Bruderland. Sie boten Zeitungsabonnements, Versicherungen, Tauschgeschäfte, bösartige Kredite und reine Betrugsartikel. Nach DDR Recht, wären über Nacht sämtliche Gefängniszellen der DDR, nachhaltig ausgebucht mit diesem Gesindel. Im Arbeitseinsatz hätten diese Lumpen unsere Braunkohletagebaue komplett begrünen können. Selbst Banken mutierten zu reinen Betrugsgesellschaften. Wahrscheinlich sind auch Banken dabei, die schon die UdSSR im Zeiten Weltkrieg beraubten. Traditionsbanken nennen die sich auch noch.Wir fuhren also zu einer Filiale der Treuhand in unsere Bezirkshauptstadt. Einen Ruhetag hatten wir noch. Und den wollten wir sinnvoll verbringen.

Die Filiale ist ausgerechnet in einem Betrieb untergebracht, den wir von unseren Hygiene- und Reinigungsmitteln her kennen. Die Arbeiter dieser Firma sind jetzt arbeitslos. Sie dürfen jetzt die Grünanlagen davor pflegen, die wir bei unseren Subotniks dort anlegten. Schade. Die Berberitzen haben nicht deren Einzug verhindern können.

Wir betreten den Tempel und werden schon beim Empfang im Westjargon bedient. Jetzt reden wir nicht mehr mit unseres Gleichen. Im Wartesaal des Gebäudes treffen wir viele Kollegen und ihre Familienmitglieder. Sie sind teilweise empört über den Umgangston in diesen Stuben. Gelegentlich kommen aus dem Paternoster Typen mit weißem Hemd, schräg gestreiftem Schlips und dunkelblauem Wollmantel.

"Was ist das für eine Uniform?", fragt mich Gerd, ein Kollege aus dem Nachbarort.

"Gestapo?", fragt Jens aus dem Jugendclub eines anderen Nachbarortes. Er lacht noch dabei. Eine Stunde später war ihm das Lachen vergangen. Sein Club wurde verschenkt. An ein Anwaltsbüro.

"Den Club habt Ihr doch erst frisch gebaut", sagt Joana zu ihm.

"Wir sind gerade fertig geworden. Auch mit unserer Wohnung oben drüber", antwortet Agnes, die Frau von Jens.

"Dann musst Du aber schnell aufräumen. Wenn die Dein kommunistisches Agitationsmaterial finden, wird es richtig lustig."

Unsere Jugendclubs waren auch FDJ – Treffpunkte und Schulungszentren. Die FDJ war im Westen immerhin verboten. Die hatten eben keine braune Hemden. Nur blaue.

"Wenn die unsere Unterlagen finden, werden sie vielleicht auch Menschen", antwortet Jens lachend.

"Sind das DDR Anwälte?"

"Nein. Alle vom Westen."

"Aha. Das Unrecht hält Einzug mit Unrecht. Dann erwarte ich auch bei unserem Ansuchen, kein Recht."

"Was willst Du hier?"

"Wir brauchen eine neue Gaststätte. Vielleicht können wir etwas DDR Kulturgut retten."

"Da sehe ich schwarz bei den neuen Herrschaften."

"Naja. Du musst jetzt auch neu suchen."

"Das wird eine finstere Zeit, denke ich."

Beim Betreten des Büros kommt uns eine Wolke entgegen, die Joana sofort dazu zwang, sich die Nase mit dem Taschentuch zu bedecken. Saufen die das Kölnisch-Wasser schon literweise? Dabei sind diese Gestalten total verschmiert. Ich denke, ich stehe in Hamburg auf dem Strich. Wer malt diese Kreaturen an. Der Plakatanbringer einer Litfaßsäule? Nehmen die vierziger Rasierpinsel für den Kleister?

"Wir sind hier, weil wir eine Gaststätte suchen."

"Hier ist die Liste aller uns zur Verfügung stehenden Objekte."

"Haben Sie auch eine Liste aus unserem Kreisgebiet? Ich möchte nicht den Bekanntenkreis wechseln."

"Die Gesamtliste ist nach Verwaltungseinheiten sortiert. Sie müssen nur Ihre suchen."

"Wo muss ich dann den Antrag abgeben?"

"Hier in Chemnitz."

"Sie meinen Karl-Marx-Stadt?"

"Wie Sie das nennen, ist mir egal. Bei mir heißt das Chemnitz."