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Kh Beyer – Die Hubertus-Alm (страница 6)

18

"Das hatte ich lange nicht mehr."

Karinka ist erstaunt. Gita ist doch erst den zweiten Tag weg. Vielleicht gab es nichts mehr zwischen den Zweien.

"Jetzt weiß ich, warum du so froh bist."

"Ja. Weil du da bist."

Etela küsst Karinka.

"Ich bin endlich nicht mehr allein."

Karinka kann das etwas nachvollziehen. Allein in der Fremde. Weit weit von zu Hause. Umgeben von Misstrauen.

Aufgefrischt und schön gemacht, gehen die Zwei ins Stübele. Sie kommen gerade recht zum Personalessen. Etela redet schon mit ihren Kollegen am Tisch. Sie sollen den Tisch ordentlich verlassen.

"Das Stübele öffnet heute."

Prompt kommt die Frage, ob die Neue mit macht.

Sie wird bestaunt von Unten bis Oben. Pfiffe sind zu hören. Er hagelt bereits Einladungen zu Zimmerfeten.

Etela sichert sich drei Schnitzel.

"Die sind für heute Nacht."

Karinka lässt sich anstecken und nimmt zwei Brötchen und Butter.

"Das reicht."

Jarosch kommt. Er grüßt die zwei Schönen.

"Mein Gott! Die Stube wird voll heute!"

Etela bedankt sich für das Kompliment. Beim Gehen von Jarosch, zeigt Etela mit einem Blick in die Richtung, worauf Karinka achten soll. Karinka dreht die Augen eine Runde. Etela weiß Bescheid. Er gefällt Karinka.

"Jarosch ist aber gefährlich launig", flüstert sie.

"Der Gummi nicht", antwortet Karinka.

Beide lachen. Jarosch dreht sich sofort um. Er glaubt, die Frauen lachen ihn aus.

"Hab ich Etwas vergessen?"

"Nein. Du siehst gut aus heute", antwortet Etela.

Jarosch dreht eine extra Runde. Er wirkt wie aufgezogen.

Die ersten Gäste kommen. Es gibt sofort Komplimente. Karinka bemerkt auch schon die ersten versteckten Angebote. Oft sogar im Beisein, der vor Fettcreme glänzenden Ehefrauen der Bieter. Vaseline können die sich sparen, denkt Karinka. Sie ist froh, nicht deren Zimmer putzen zu müssen. Sie denkt auch an die Bettwäsche.

Nach einiger Zeit wird Karinka klar, die sind alle besoffen. Karinka stellt sich gerade deren Nächte vor. Wegen Sex sind die nicht im Urlaub. Sie kann sich auch schlecht vorstellen, die wären wegen dem Wintersport hier. Vielleicht wegen dem Essen?

Jarosch serviert ein paar kleine Leckereien zu den Getränken. Karinka soll kleine Schalen damit füllen.

"Bring das den Leuten an den Tisch, bitte."

Die ersten Gäste betatschen ihren Hintern. Deren Frauen lachen dazu. Die Angebote werden konkreter. Bisweilen findet ein Scheinchen den Ausschnitt von Karinka. Zum Glück hat sie die untere Schnur ihres Dirndls etwas straffer gezogen. Das Geld würde gleich zu Boden fallen. Die ersten Bestellungen kommen. Karinka nimmt die noch nicht an. Erst nach dem Essen. Jarosch hat ihr das verboten.

"Wenn die zu spät zum Menü kommen, bekommen wir Ärger mit den Kollegen im Speisesaal", sagt er.

Genau deshalb, hat Clara die Bar eingerichtet. Die Gäste sollen zügig den Speisesaal verlassen. Früher sind die am Tisch zu lange sitzen geblieben. Die Kellner haben oft, bis frühmorgens, den Speisesaal wieder her richten müssen. Das gab viel Ärger.

So ist die Umgebung des Speisesaales geschützt. Auch die sanitären Einrichtungen des Saales.

Für das Stübele haben sie extra Einrichtungen gebaut. Nach dem Alkoholgenuss, sehen diese Toiletten nicht so aus wie die des Speisesaales.

Das Haus wird sauberer und ruhiger.

Wie auf Kommando, verlassen die meisten Gäste das Stübele. Die zwei Frauen bringen wieder etwas Ordnung in die Bar. Jarosch poliert die Zapfanlage. Er pfeift dabei und gibt mit den Augen ein Zeichen. Karinka soll sehen, wie er den Zapfhahn poliert. Mit etwas Übertreibung zeigt er, wie er den Hahn mit dem Tuch onaniert. Etela muss lachen. Die vier Gäste im Stübele schauen sich fragend an. Sie sehen, wie Jarosch poliert und müssen auch lachen.

"Du Schlimmer", sagt eine recht Hübsche.

"Da hast du heute wieder Zimmerservice", spottet Etela. Jarosch nickt. Wie scheint, war er schon da.

Die Ruhe während des Menüs ist beendet. Jetzt kommen die Durstigen. Auch Jene, die etwas Gesellschaft suchen nach dem Essen.

Karinka bedient sie zusammen mit Etela. Jarosch hat hinter der Bar alle Hände voll zu tun. Anders als in Restaurants, sitzen vor seiner Bar, nur Frauen. Die Kürze der Röcke und Kleider, lässt Einiges vermuten.

Etela wird manchmal etwas ungeduldig. Die Fragen der Frauen an Jarosch, behindern seine Aufmerksamkeit. Er hört nur die Hälfte der Bestellungen. Etela kennt das. Sie bedient sich und Karinka selbst. Damit öffnet sich auch die Tür für kleine Betrügereien. Sie rechnet nur die Hälfte ab.

Jarosch kennt das auch. Er verfolgt das mit flüchtigen Blicken. Schließlich darf das gewisse Grenzen nicht überschreiten. Gelegentlich nickt er ihr zu. Karinka hat das System schnell begriffen. Etela wird sozusagen, ihre Barfrau.

Neben den üblichen Griffen auf den schön geformten Hintern von Karinka, trifft auch gelegentlich ein Geld in ihrer Tasche ein. Meist in Papierform. Das Hartgeld erzeugt beim Gehen ein rhythmisches Geläut. Das klingt fast so rhythmisch wie die Glocken von einem Pferdegespann. So wird die Geschwindigkeit der Bedienung messbar. Und bei Karinka zeugt das von flotter Bedienung. Die Gäste lieben sie von Anfang an. Sympathisch, schnell und schön. Es hagelt Trinkgeld in allen Formen. Etela beobachtet sie mit einem Auge. Sie freut sich. Für Karinka. Ehrlich. Karinka spürt das an ihrem Blick.

Wenn Karinka sich über den Tisch beugt, nickt Jarosch, Etela zu. Er dreht seine Zunge über die Lippen. Etela lacht dazu. Sie zwinkert gelegentlich. Jarosch findet das schön. Manchmal greift er ihr auf den Hintern.

"Du hast heute die ganz Kleinen an", flüstert er.

"Lass deine Hand weg. Sonst muss ich öfter wechseln gehen."

Jarosch lacht etwas lauter. Komisch. Die Gäste lachen mit ihm mit.

An seinem Tresen zahlen die Frauen. Mit jedem Lachen trifft auch etwas mehr Trinkgeld ein. Die Frauen lieben sein Lachen. Vor allem, die etwas älteren.

Der Ansturm nach dem Menü lässt etwas nach. Jetzt sind Gäste im Stübele, die etwas länger sitzen bleiben.

Meist Pärchen. Karinka spürt gerade beim Bedienen, die meisten Paare sind unverheiratet. Oft wissen die Einen nicht, was die Anderen am liebsten trinken. Sie kann sich nicht vorstellen, so Etwas bei Verheirateten zu sehen. Ihr fehlen die Kenntnisse, wie sich das in den Ehen – Wohlhabender verhält.

Der Abend geht recht schnell vorüber. Die viele Arbeit lässt die Zeit schnell vergehen. Dabei fühlt sich Karinka keineswegs müde. Sie wirkt wie aufgezogen. Eifrig. Sie ist froh, endlich für mehr Geld arbeiten zu können.

Etela fängt schon an, die Bar von Jarosch zu reinigen. Sie poliert den Bierhahn wie Jarosch am frühen Abend. Jarosch lacht. Die Frauen am Tresen auch. Die Frauen scheinen allein stehend zu sein.

Karinka fragt Etela mit den Augen, wer die Frauen sind. Etela antwortet mit einem Blick in den Himmel. Karinka wollte das nur schwer verstehen. Sie dreht die Augen etwas hastiger von Links nach Rechts. Etela wiederholt den Blick nach Oben und zwinkert dabei. Jetzt begreift Karinka. Die leichte Garde. Wie kommen die in das Stübele? Nach einiger Überlegung, begreift Karinka das System. Das Stübele hat Öffnungszeiten als Bar. Die Frauen kommen von Draußen. Straßenkundschaft. Wie scheint, sind das ihre Kolleginnen aus anderen Hotels. Deswegen kennen die Jarosch so gut. Jarosch ist wahrscheinlich der Seelsorger der Frauen bei misslungenen Abenden.

Etela hilft jetzt Karinka an den Tischen.

Die Kundschaft scheint jetzt etwas handgreiflicher zu werden. Wohl auch etwas betrunkener. Etela staunt, wie Karinka damit umgeht. Sie ist jetzt überzeugt, Karinka hat das tatsächlich gelernt.

Im Saisongeschäft traut man den angeblichen Nachweisen nicht. Die Frauen wissen, wie man sich die Abschlüsse besorgen kann. Bei Männern ist das etwas schwieriger. Die ausgebildeten Kollegen wenden diverse Tricks an, um das zu prüfen. Karinka hat in Etelas Augen, schon mal bestanden.

Das Stübele hat zwei kleinere Separees. Der Nachteil dieser Plätze ist, man muss für den Gang zur Toilette, den halben Tisch von seinem Platz jagen. Aus dem Grund, werden die Separees gern von wenigen Personen genutzt. Oft von zwei bis vier Personen. Die meisten setzen sich an die Bankenden der Sitzecke. Nur Wenige nutzen die Mitte der Sitzbank. Es ist einfach zu umständlich, aus der verbauten Sitzgarnitur heraus zu kommen.

Beim Separee mit fremden Frauen ist der Platz aber praktisch. In dem Fall, wird die Frau oft in die Mitte der Sitzbank genommen. Das auf alle Fälle, hat Etela schon zur Genüge kennen gelernt.

Und genau so soll es kommen. Zwei Männer nehmen Platz in einem Separee. Gut gelaunt. Leicht angetrunken. Sie bestellen Sekt.

"Vier Gläser bitte."

Die erste Flasche ist leer. Zwei Gläser sind benutzt. Sie bestellen bei Karinka eine neue Flasche.

"Soll ich die zwei leeren Gläser wegräumen?"

"Nein. Die sind für dich und Etela."

Etela lacht schon hinter dem Tresen mit Jarosch. Sie haben das mit den Kollegen so abgesprochen.

"Ja, aber ich muss unsere Gäste bedienen", antwortet Karinka.

"Dann warten wir so lange", antwortet einer der Männer. Etela bemerkt ein recht süßes Parfüm an dem Einen der Zwei. Das kommt ihr bekannt vor von zu Hause.