реклама
Бургер менюБургер меню

Блейк Пирс – Vorher Neidet Er (страница 8)

18

Eins nach dem anderen, dachte sie, als sie von der griesgrämigen Frau hinter dem Tresen die Autoschlüssel erhielt.

Sobald sie auf der Straße war, zog Mackenzie die Nummer des Holiday Inns heraus, in dem ihre Mutter arbeitete, um sicherzugehen, dass sie Dienst hatte. Es stellte sich heraus, dass ihre Schicht in einer halben Stunde endete. Mackenzie würde also das Zeitfenster, in dem sie ihre Mutter am Hotel treffen konnte, um eine Stunde verpassen. Das war nicht weiter tragisch – Mackenzie hatte auch die Wohnadresse ihrer Mutter.

Sie war überrascht, als sie bemerkte, wie beruhigend das flache Land und die vertraute Atmosphäre Nebraskas auf sie wirkte. Das bevorstehende Treffen mit ihrer Mutter machte sie weder nervös noch ängstlich. Lediglich Kevin vermisste sie, als sie das offene Land und den Himmel betrachtete. Sie realisierte, dass sie noch nie so lange von ihm getrennt gewesen war und ihr wurde schwer ums Herz. Für einen Moment hatte sie Probleme, zu atmen. Doch dann dachte sie an Ellington und Kevin, zusammen in ihrer Wohnung, während der Tag sich dem Ende entgegen neigte. Ellington war ein hervorragender Vater und überraschte sie noch immer täglich damit. Sie begann zu verstehen, dass Ellington diese Zeit alleine mit seinem Sohn vermutlich genauso sehr brauchte, wie sie zurück in ihre Vergangenheit reisen musste, um die Situation mit ihrer Mutter zu klären.

Wenn alle Eltern diese Gefühle mitmachen, habe ich meiner Mutter das Leben vielleicht zu schwer gemacht, dachte sie.

Obwohl ihr seit dem Betreten des Flugzeugs in DC viel durch den Kopf gegangen war, war es dieser Gedanke, der ihr die Tränen in die Augen trieb. Sie wusste, dass ihr Vater seine eigenen Dämonen hatte bekämpfen müssen, doch ihre Mutter hatte vor ihr oder Stephanie nie schlecht von ihm gesprochen. Schließlich wurde sie als Witwe zurückgelassen und musste alleine zwei Mädchen großziehen. Es war sehr gut möglich (und Mackenzie hatte auch schon zuvor darüber nachgedacht), dass sie so große Stücke auf ihren Vater gehalten hatte, weil er so früh verstorben war. Als junges Mädchen hatte sie keinen Grund gehabt, in ihm etwas anderes als ihren persönlichen Helden zu sehen. Aber was ist mit der Mutter, die versuchte, zwei Mädchen großzuziehen, dabei versagte und damit nicht nur die Verachtung der Gesellschaft, sondern auch die ihrer eigenen Töchter auf sich gezogen hatte?

Mackenzie brachte ein schmales Lächeln zustande, während sie sich die Tränen wegwischte. Sie fragte sich, ob ihr diese Gedanken nun kamen, wo sie selbst Mutter war. Sie hatte davon gehört, dass Frauen viele Aspekte ihres Wesens veränderten, sobald sie ein Kind in die Welt setzten. Aber ihr war nie in den Sinn gekommen, dass sie davon betroffen sein könnte. Doch sie war der lebende Beweis der Theorie, als ihr Herz sich für eine Frau öffnete, die sie für den Großteil ihres Lebens sozusagen dämonisiert hatte.

Während Nebraska an ihr vorbeizog, drang Mackenzie immer weiter in ihre Vergangenheit ein. Zum ersten Mal, seitdem sie den Bundesstaat verlassen hatte, war sie fast schon gierig darauf, diese Vergangenheit zu betreten und herauszufinden, was dort auf sie wartete.

Patricia White lebte in einer Zwei-Zimmer-Wohnung knapp zehn Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Die Wohnung befand sich in einem kleinen Gebäude, das nicht gerade verwahrlost war, aber definitiv etwas Aufmerksamkeit hätte gebrauchen können. Mackenzie hielt ihr Handy in der Hand und betrachtete Adresse und Hausnummer auf dem Bildschirm, die sie mithilfe von inoffiziellen FBI-Quellen herausgefunden hatte.

Sie ging auf die Wohnung ihrer Mutter im zweiten Stock zu. Anders als erwartet erstarrte sie nicht. Ohne zu zögern klopfte sie an der Tür und versuchte, nicht zu viel nachzudenken. Die einzige wirkliche Frage, die sich ihr stellte, war, wie sie die Konversation beginnen sollte. Sie wollte behutsam vorgehen, anstatt ins kalte Wasser zu springen und wie ein Hund herum zu paddeln.

Nach einigen Sekunden hörte sie Schritte. Die Tür öffnete sich und sie sah das überraschte Gesicht ihrer Mutter. Dann erstarrte Mackenzie. Sie war sich nicht sicher, wann sie ihre Mutter zum letzten Mal lächeln gesehen hatte und Mackenzie hatte das Gefühl, eine fremde Frau vor sich zu haben.

„Mackenzie“, sagte ihre Mutter mit dünner und aufgeregter Stimme. „Oh mein Gott, was machst du denn hier?“

„Ich hatte frei und wollte hallo sagen.“ Es war nicht gelogen und fürs erste vermutlich ausreichend.

„Und du wolltest mich nicht anrufen und vorwarnen?“

Mackenzie zuckte mit den Schultern. „Ich habe daran gedacht, wusste aber, wie es ausgehen würde. Außerdem … musste ich einfach mal raus.“

„Geht es dir gut?“ Sie klang ehrlich besorgt.

„Ja, Mom.“

„Nun, dann komm rein. Die Wohnung ist das reinste Chaos, aber ich hoffe, du kannst darüber hinwegsehen.“

Mackenzie betrat die Wohnung und sah, dass sie absolut nicht chaotisch, sondern sogar ziemlich aufgeräumt war. Ihre Mutter hatte nur minimalistisch dekoriert und Mackenzie entdeckte sofort das alte Bild von ihr und Stephanie, das auf dem kleinen Beistelltisch neben der Couch stand.

„Wie geht es dir, Mom?“

„Gut. Sehr gut sogar. Ich war in der Lage, hier und da etwas Geld zu sparen und habe es endlich geschafft, aus den Schulden rauszukommen. Bei der Arbeit wurde ich befördert … es ist immer noch kein Spitzen-Job, aber ich verdiene besser und habe einige Frauen unter mir. Wie geht es dir?“

Mackenzie setzte sich auf die Couch und hoffte, ihre Mutter würde es ihr gleichtun. Sie war dankbar, als sie es tat. Sie hatte noch nie an den Satz ‚vielleicht solltest du dich besser setzen‘ geglaubt; er erschien ihr viel zu dramatisch.

„Nun, ich habe tatsächlich ein paar Neuigkeiten“, sagte sie. Sie begann langsam, das Fotoalbum auf ihrem Handy zu öffnen und nach einem bestimmten Bild zu suchen. „Du weißt, dass Ellington und ich geheiratet haben, nicht wahr?“

„Ja. Lustig, dass du ihn noch immer bei seinem Nachnamen nennst. Hat das damit zu tun, dass ihr Kollegen seid?“

Mackenzie schmunzelte. „Ja, vermutlich. Bist du böse, die Hochzeit verpasst zu haben?“

„Oh nein. Ich hasse Hochzeiten. Das war vermutlich die schlauste Entscheidung, die du je getroffen hast.“

„Danke“, sagte sie. Ihre Nerven kochten wie Lava, als sie aussprach, weshalb sie wirklich gekommen war. „Ich bin hier, weil ich dir etwas anderes mitteilen möchte.“

Dann hielt sie ihr Handy nach oben. Ihre Mutter nahm es ihr ab und betrachtete das Foto von Kevin in seiner kleinen Krankenhausdecke, zwei Tage bevor sie die Klinik verlassen hatten.

„Ist das …?“, fragte Patricia.

„Du bist Oma, Mom.“

Die Tränen ließen nicht auf sich warten. Patricia ließ das Handy auf die Couch fallen und legte sich die Hand auf den Mund. „Mackenzie … er ist entzückend.“

„Das ist er.“

„Wie alt ist er? Du siehst zu gut aus, ihn gerade erst auf die Welt gebracht zu haben.“

„Etwas über drei Monate“, sagte Mackenzie. Sie blickte zur Seite, als sie das verletzte Zucken im Gesicht ihrer Mutter entdeckte. „Ich weiß. Es tut mir leid. Ich wollte dich anrufen, um dir Bescheid zu geben. Aber nach unserem letzten Gespräch … Mom, ich wusste nicht einmal, ob du es wissen wollen würdest.“

„Das verstehe ich“, sagte sie sofort. „Und es bedeutet mir alles, dass du jetzt hier bist, um es mir persönlich zu sagen.“

„Du bist nicht verärgert?“

„Gott, nein. Mackenzie … selbst, wenn du mir nie davon erzählt hättest, würde ich den Unterschied vermutlich nicht kennen. Ich denke, ich habe mich sogar schon darauf vorbereitet, dich nie wieder zu sehen und … und ich …“

„Es ist okay, Mom.“

Sie wollte ihre Hand ausstrecken, sie halten oder in den Arm nehmen. Aber sie wusste, dass sich das für beide erzwungen und seltsam anfühlen würde.

„Ich habe letzte Woche einen neuen Mixer gekauft“, sagte ihre Mutter wie aus dem Nichts.

„Ähem … okay.“

„Magst du Margaritas?“

Mackenzie lächelte und nickte. „Oh, ja. Ich habe seit einem Jahr keinen Alkohol mehr getrunken.“

„Stillst du? Darfst du trinken?“

„Das tue ich, aber wir haben genug Milch auf Vorrat eingefroren.“

Ihre Mutter sah erst verwirrt aus und lachte dann los. „Tut mir leid. All das ist so unwirklich … du hast ein Baby, hast Muttermilch auf Vorrat …“

„Es ist unwirklich“, stimmte Mackenzie ihr zu. „Hier zu sein auch. Also … was ist nun mit den Margaritas?“

„Dein letzter Besuch hier war der Auslöser“, sagte Patricia.

Sie saßen auf der Couch, jeweils einen Margarita in der Hand. Zwischen ihnen war ein Platz frei; es war offensichtlich, dass die Situation für beide noch immer unangenehm war.

„Für was?“, fragte Mackenzie.

„Du warst nicht übermäßig unhöflich oder so, aber ich habe gesehen, wie gut es dir ging. Und dann dachte ich mir: Sie ist meine Tochter. Ich weiß, dass ich keine tolle Mutter war … überhaupt nicht. Aber ich bin stolz auf dich, auch wenn ich zu dem Ergebnis nicht viel beigetragen habe. Es gab mir das Gefühl, dass auch ich etwas aus mir machen kann.“

„Und das stimmt.“

„Ich versuche es“, sagte sie. „Ich bin zweiundfünfzig Jahre alt und endlich schuldenfrei. Natürlich ist die Arbeit im Hotel nicht die Karriere meiner Wahl …“

„Aber bist du glücklich?“, fragte Mackenzie.